Der Konflikt zwischen den USA und Iran spitzt sich immer mehr zu. Und kaum jemand glaubt noch ernsthaft, er sei friedlich zu lösen. Vielmehr steht unentwegt und fatal die Frage - wann? . MOSKAU, 11. April (Pjotr Romanow, RIA Novosti). Allem Anschein nach lässt sich ein Krieg zwischen den USA und Iran leider nicht verhindern. Das Verhalten der USA und Irans kann wohl kaum anders als eine psychologische Kriegsvorbereitung bezeichnet werden. Die Amerikaner geben eine Erklärung aggressiver als die andere ab, während Iran groß angelegte Übungen in der Straße von Hormuz abhält, um seine militärische Stärke zu zeigen. Unbestreitbar ist auch, dass die Seiten einander als das Kernstück des Weltübels und als die größte Bedrohung für die eigenen geistigen, ideologischen und politischen Werte auffassen. Alle vernünftigen Friedensaufrufe der internationalen Völkergemeinschaft werden zwar formell angehört, faktisch aber völlig ignoriert. Dies ist ein weiteres indirektes Zeugnis dafür, dass beide Seiten für sich bereits entschieden haben, ob es zu einem Zusammenstoß kommt oder nicht. Und letzten Endes braucht die eine und die andere Seite einen qualitativen Durchbruch für ihre weitere erfolgreiche Existenz. Leider stellen sich sowohl die USA als auch Iran dabei keinen intellektuellen oder moralischen, sondern eben einen gewaltsamen Durchbruch vor. Für die USA, die nur einen formellen Sieg in Afghanistan errungen haben (dort dominieren weiterhin Schariah-Gesetze und Rauschgifthandel, während die afghanische Demokratie noch Jahrhunderte lang in der "lokalspezifischen Form" verharren kann) und in Irak stecken geblieben sind, ist es äußerst wichtig, ihre Rolle einer Supermacht zu bestätigen. Die Zweifel daran werden indes immer größer. Das internationale Ansehen der USA ist niedrig wie nie zuvor, während sich das eigene Volk immer häufiger an Vietnam erinnert. Beim jüngsten Referendum im Bundesstaat Wisconsin, das allerdings keine juristische Kraft hat, haben sich 61 Prozent der Teilnehmer für einen unverzüglichen Truppenabzug aus Irak ausgesprochen. Außerdem sieht das Weiße Haus auch Anlass für einen Angriff, der Washington jedenfalls überzeugend erscheint. Während für eine Invasion in Irak die offensichtliche Lüge ausgereicht hat, Irak verfüge über Massenvernichtungswaffen, warum sollte im Fall Iran nicht der Verdacht ausreichen, dieses Land plane die Herstellung von Kernwaffen? Außerdem geben die Iraner selbst dauernd provokative Erklärungen ab wie etwa die bekannten Drohungen an Israel. Manchmal hatte den Amerikaner auch ein geringerer Grund für den Beginn von Kampfhandlungen ausgereicht. Außerdem passt der Kampf gegen Iran in die von Bush zu Beginn seiner 2. Amtszeit formulierte Doktrin einer weltweiten Ausrottung der Tyrannei. Das Ayatollah-Regime in Teheran ist für Washington eine klassische Tyrannei. Da spielt es keine Rolle, was das iranische Volk selbst davon hält. Für Iran stellen wiederum die USA eine offensichtliche Hürde dar, die es auf seinem weiteren Weg unbedingt überwinden muss. Um ein modernes Land zu werden, braucht Iran Atomenergie. Im Prinzip ist dieses Ziel auch auf friedlichem und legitimem Wege durchaus erreichbar, Irans Ambitionen reichen allerdings offenbar viel weiter. Um eine vollwertige Souveränität und einen zusätzlichen Einfluss in der arabischen Welt zu bekommen, braucht Teheran eine Atombombe. Um die Positionen seiner Schiiten-Führer in der islamischen Welt zu festigen, ist ein unschlagbares Iran notwendig, das eine unbestreitbare Spitzenposition im Nahen Osten beziehen würde. Erst damit würde eine zumindest theoretische Chance entstehen, dass Iran auch andere islamische Länder folgen werden. Diesem Vorhaben stehen die USA im Weg. Auch andere Argumente dafür, dass ein Zusammenstoß unvermeidlich ist, lassen sich anführen, aber selbst diese reichen wohl aus. Vor diesem Hintergrund erscheinen alle Bemühungen der UNO, Westeuropas, der IAEO und Russlands, das mehrmals auf die Gefahr eines neuen amerikanischen Abenteuers hingewiesen hat, leider nicht gewichtig genug, um einen Zusammenstoß zu verhindern, dessen Folgen nicht nur für die unmittelbaren Teilnehmer bitter sein würden. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat bei seinem jüngsten Besuch in Berlin erneut bestätigt: "Wir sind nicht der Ansicht, dass Drohungen und Druck in diesem Fall ein positives Resultat bringen werden." Die Chancen, dass seine Empfehlungen im Weißen Haus adäquat aufgenommen werden, sind aber gering. Deshalb entsteht unentwegt und fatal die Frage - wann? Der Termin lässt sich aus meiner Sicht, wenn auch ungefähr, errechnen. Erstens: Höchstwahrscheinlich noch in diesem Jahr. Der Jahresabschluss wäre die denkbar weiteste Zeitgrenze. Dieser Termin wird vom politischen Wahlkalender der USA und von weiteren Perspektiven der Republikaner bestimmt. Aber auch Bush jr. persönlich möchte nicht als ein Versager in die Geschichte eingehen. Für eine erfolgreiche Übergabe der Präsidialmacht brauchen die Republikaner nicht bloß einen Krieg, sondern greifbare Erfolge, insbesondere angesichts der Misserfolge in Irak. All das braucht Zeit. Weitere Faktoren, die den Termin bestimmen, sind militärischen und politischen, allerdings außenpolitischen Charakters. In militärischer Hinsicht wird auch jeder Nichtexperte meinen, dass ein jeder Krieg vorbereitet werden muss. Außerdem müssen sich die USA zumindest mit Hilfe ihrer Verbündeten ein stabiles Hinterland in Afghanistan und in Irak sichern. Was die Außenpolitik anbelangt, so kann man annehmen, dass all die Unannehmlichkeiten, mit denen die USA nach ihrer Invasion in Irak ohne eine entsprechende UNO-Resolution konfrontiert waren, von Washington in diesem Fall so weit wie möglich auf ein Minimum reduziert werden. Mit anderen Worten: Washington wird sehr bemüht sein, Westeuropa und natürlich Moskau und Peking als ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates für sich zu gewinnen. Das nächste Ziel, das die Amerikaner leidenschaftlich anstreben, sind beliebige Sanktionen gegen Iran, was für Washington automatisch bedeuten würde, dass es Recht hat. Die USA werden sich entschließen, in diesem Punkt unter Missachtung des Völkerrechts zu handeln, nur wenn sie in diesem Bereich alle Möglichkeiten ausgeschöpft und einen Misserfolg erlitten haben. Eine Woge von Kritik wäre in diesem Fall gesichert, das Weiße Haus würde aber diesmal zumindest die formelle Möglichkeit haben, zu sagen: Wir haben alles getan, um eine Vereinbarung zu erzielen. Auch diese Manöver brauchen Zeit. Die ungefähren Kalkulationen deuten insofern auf den Herbst als einen eventuellen Termin für den Kriegsbeginn hin. weitere Artikel zu diesem Thema
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