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Chavez ersetzt US-Ölriesen durch russische

19:12 | 24/ 07/ 2008

MOSKAU, 24. Juli (Oleg Mitjajew, RIA Novosti). Viele erwarteten vom Russland-Besuch des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez vom 22. Juli neue Abkommen über die militärtechnische Zusammenarbeit.

Diese wurden jedoch nicht bekannt gegeben. Dafür konnten die russischen Öl- und Gasgiganten mehrere aussichtsreiche Verträge mit Venezuela unterzeichnen. Demnach sind sie im Begriff, die transnationalen US-Ölriesen, die Chavez aus seinem Land gedrängt hat, zu ersetzen.

Der urwüchsige venezolanische Staatschef hat Russland, seit er 1999 an die Macht kam, wiederholt besucht. Doch bisher beschränkte sich die Zusammenarbeit beider Staaten hauptsächlich auf den Verkauf von russischen Waffen an Venezuela.

Im Juni dieses Jahres äußerte Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin sogar sein Leidwesen darüber, dass wir wenig gegenseitige Investitionen hätten und die Partnerschaft mit Venezuela zu erweitern sei, zum Beispiel im Öl- und Gasbereich.

Dieser Wunsch nahm bei der jüngsten Moskau-Reise von Chavez direkt Gestalt an. Gleich drei russische Öl- und Gaskonzerne - Lukoil, TNK-BP und Gazprom - teilten mit dem venezolanischen Staatskonzern PDVSA die Vorkommen zur Ölsuche im Orinoco-Becken auf.

Alle drei russische Unternehmen unterzeichneten am 22. Juli Abkommen mit der PDVSA im Beisein der Präsidenten beider Länder. Mehr noch, diese Projekte werden von nun an unter deren persönlicher Kontrolle stehen.

"Wir haben nicht nur die Unterzeichnung von Abkommen vereinbart, sondern uns auch darauf geeinigt, die Realisierung der Projekte unter Kontrolle zu nehmen", sagte Medwedew nach der Unterzeichnung der Dokumente. Chavez fügte hinzu, dass später möglicherweise Gemeinschaftsunternehmen entstehen und Venezuela und Russland gemeinsam Erdöl gewinnen und verarbeiten würden.

Was stellen die am 22. Juli unterzeichneten Abkommen dar? In erster Linie zeigen sie, dass sich jede der russischen Gesellschaften im Voraus ihren Block im Orinoco-Becken ausgewählt hat.

Lukoil erhielt Block Junin-3, wodurch der Konzern seinen vorherigen dreijährigen Vertrag im Grunde verlängerte. Gemäß dem Vertrag von 2005 beurteilte und zertifizierte Lukoil gemeinsam mit PDVSA die Vorräte von Junin-3. Das neue Abkommen von Lukoil, das auf zwei Jahre angelegt ist und verlängert werden kann, sieht die gemeinsame Erkundung des Blocks und die Vorbereitung seines Erschließungsplans vor. Die nächste Phase soll die Gründung eines Joint Venture zur Erschließung des Vorkommens sein. In diesem Fall werden die Investitionen in die Milliarden Dollar gehen. Der gewonnene Rohstoff kann später zu einer italienischen Ölraffinerie befördert werden, an dem Lukoil gerade erst einen Anteil von 49,9 Prozent erworben hat.

Zudem unterschrieb TNK-BP ein Abkommen über die mit PDVSA gemeinsame Erkundung des Blocks Ayacucho-2. Im Oktober 2007 war über diesen Block bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet worden, diesmal handelt es sich um ein konkreteres Abkommen. Ebenso wie im Fall Lukoil sieht das Abkommen eine zweite Etappe - den Absatz der gewonnenen Rohstoffe außerhalb Venezuelas - vor.

Gazprom hat den Block Ayacucho-3 bekommen. Allerdings hatte der russische Gasmonopolist ein Memorandum über die Zertifizierung der Vorräte dieses Abschnitts mit PDVSA bereits 2005 unterzeichnet. Bis Ende dieses Jahres sollen die Partner die Einschätzung und Berechnung der Vorräte beenden und an die Vorbereitung der Machbarkeitsstudie für die Erschließung des Abschnitts gehen.

Das Händedrücken und Auf-die-Schulter-Klopfen wollten bei der Unterzeichnung der russisch-venezolanischen Ölabkommen kein Ende nehmen. "Ich erwarte euch alle in Venezuela", sagte Chavez zum Abschluss, nachdem er den Chefs von Gazprom, Lukoil und TNK-BP noch die Hände geschüttelt hatte.

Es ist recht kompliziert, schon jetzt zu sagen, wie erfolgreich die venezolanischen Projekte für die russischen Unternehmen sein werden. Das Land ist zweifellos reich an Öl und Gas. Doch alle unter Venezuelas Staatschef geschlossenen Abkommen haben einen politischen Aspekt.

Es nicht klar, was daraus wird, wenn das Chavez-Regime nicht mehr da ist. Doch die russischen Gesellschaften müssen auf jeden Fall ins Ausland expandieren. Zudem könnten die in Venezuela entwickelten Technologien auch in Russland Anwendung finden: Alle von den russischen Konzernen beanspruchten Blöcke bergen so genanntes schweres Bitumenöl, und seine Vorräte sind auch in Russland bedeutend.

Eine politische Färbung verleiht den von den russischen Gesellschaften unterzeichneten Abkommen auch die Tatsache, dass sie nach Venezuela kommen, bald nachdem die amerikanischen Ölgiganten ExxonMobil und ConocoPhillips aus dem Land gegangen sind. Anfang 2007 unterschrieb Chavez ein Dekret über eine partielle Verstaatlichung der Ölvorkommen im Orinoco-Becken: Die ausländischen Gesellschaften mussten der PDVSA mindestens 60 Prozent der Beteiligungen an den Ölprojekten abtreten.

ExxonMobil und ConocoPhillips lehnten diese Bedingungen ab und erklärten, mit Venezuela keine neuen Verträge über die Ölerkundung und -gewinnung unterzeichnen zu wollen. Dafür waren andere ausländische Gesellschaften - die britische BP, die französische Total, die norwegische Statoil und die amerikanische Chevron - mit den neuen Bedingungen einverstanden. Bei den heutigen Ölpreisen ist die Gewinnung auch zu solchen Bedingungen vorteilhaft.

Eine weitere politische Komponente der russisch-venezolanischen Ölabkommen besteht darin, dass der Import von "schwarzem Gold" aus Venezuela in der Ölbilanz der USA einen recht wichtigen Platz einnimmt. Von den zehn Millionen Barrel Erdöl, die die USA täglich einführen, entfallen 1,2 Millionen (12 Prozent) auf die Rohstoffe aus Venezuela.

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.


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