Wirtschaft
Gaspreis für die Ukraine wieder erhöht
MOSKAU/BRÜSSEL, 14. Dezember (RIA Nowosti). Russland wird sein Erdgas an die Ukraine nicht für 160 US-Dollar je 1000 Kubikmeter verkaufen, der neue Preis beträgt etwa 220 bis 230 US-Dollar. Dies erklärte Alexander Medwedew, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des russischen Gaslieferanten Gasprom am Mittwoch.
In einem Bericht, den der russische Fernsehsender NTW aus Berlin ausgestrahlt hat, sagte Medwedew: "Die Ukraine hat durch ihren Verhandlungsprozess faktisch Zeit versäumt, heute kann von 160 US-Dollar (je 1000 Kubikmeter Gas) keine Rede mehr sein."
Die Situation auf dem Markt "ist in ständiger Wandlung begriffen. Deshalb kann es heute nur um die Bildung des Preises an der Grenze zwischen Russland und der Ukraine in Übereinstimmung mit den europäischen Preisen und selbstverständlich auch unter Berücksichtigung der Transportkosten auf ukrainischem Territorium gehen", sagte der Gasprom-Vertreter.
Das soll kein Festpreis sein, sondern "eine Preisformel, die auf der Basis der internationalen Regeln, das heißt unter Berücksichtigung der Preise für konkurrierende Brennstoffarten, Masut und Dieselkraftstoff, ausgerechnet wird", sagte Medwedew. Die neue Preisformel ergebe ab dem 1. Januar 220 bis 230 US-Dollar.
Die Preisformel, die im Verhältnis mit Europa angewandt werde, schließe beliebige Spekulationen aus, betonte Medwedew. Die Verhandlungen mit Russland über einen Übergang zu marktgerechten Preisen für Gaslieferungen und Gastransit, die auf Wunsch der Ukraine in die Wege geleitet wurden, dauern bereits neun Monate, erinnerte Medwedew. In dieser Zeit habe die ukrainische Seite den Verhandlungsprozess erschwert und hinausgezögert und "die europäischen Abnehmer de facto zu Geiseln gemacht". Während Russland und die Ukraine verhandelten, zogen die Gaspreise in Europa weiter an. Die Ukraine habe offenbar die Zeit versäumt, als der Marktpreis bei 160 US-Dollar für tausend Kubikmeter lag, urteilte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des russischen Gasmonopolisten.
Am Donnerstag voriger Woche hatte Russlands Präsident Wladimir Putin auf den riesigen Unterschied zwischen dem Gaspreis für Europa und dem für die Ukraine verwiesen. "Im ersten Quartal 2006 bekommen unsere europäischen Partner russisches Erdgas zu einem Preis von 255 US-Dollar für eintausend Kubikmeter. Der Preis für die Ukraine liegt immer noch bei 50 US-Dollar." Im Falle der Beibehaltung der aktuellen Gaspreise für die Ukraine beziffern sich die künftigen Verluste von Gasprom auf 3,6 Milliarden Dollar plus eine Milliarde Verluste für den russischen Haushalt. "Dies ist eine schwer erklärbare Last für die russische Wirtschaft", stellte Putin fest.
Alexej Miller, Vorstandschef von Gasprom, sagte am Dienstag in einem Interview für den russischen Auslandssender Russia Today, Gasprom stelle die Gaslieferungen an die Ukraine ein, wenn mit Kiew bis zum 1. Januar 2006 kein Kompromiss ausgehandelt wird. "Aber selbst wenn ein Transitvertrag mit der Ukraine ausbleibt, wird Gasprom reibungslose Gaslieferungen nach Europa sichern", betonte Miller.
Alexander Schochin, Präsident des Russischen Industriellen- und Unternehmerverbandes, bezeichnete die Erhöhung des Gaspreises für die Ukraine als eine richtige Entscheidung. "Gasprom hat faktisch einen marktgerechten Preis festgelegt", sagte Schochin am Mittwoch auf einer Pressekonferenz bei RIA Nowosti. "255 Dollar stehen für einen europäischen Durchschnittspreis". Da die Ukraine 25 bis 30 Dollar für Transit zurückbehalte, sei der Endpreis sogar niedriger.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach sich für eine Erhöhung des Gaspreises für die Ukraine bis auf den Weltstand aus. Er erinnerte daran, dass der Vorschlag, im gegenseitigen Handel von den Weltpreisen auszugehen, erstmals von der Ukraine ausgegangen war.
Auf die Frage der Journalisten, ob der Ausgang der russisch-ukrainischen Gasgespräche das Verhältnis Russlands zur EU erschweren könne, antwortete Lawrow: "Ich würde unsere Beziehungen mit einem beliebigen Land denen mit der Europäischen Union nicht entgegensetzen. Jedem Verhältnis liegt die Notwendigkeit zugrunde, vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen."
Ein Vertreter der EU-Kommission sagte am Mittwoch vor Journalisten in Brüssel, die Europäische Union verfolge sehr aufmerksam die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. "Wir hoffen, dass die Seiten eine Einigung erzielen und dass die russischen Gaslieferungen nach Europa nicht gefährdet werden".
Der russische Finanzminister, Alexej Kudrin, nannte die Erhöhung des Gaspreises für die Ukraine einen richtigen Schritt. Die Zeit, da Russland die Wirtschaften der Nachbarstaaten subventionierte, gehöre allmählich der Vergangenheit an, äußerte Kudrin am Mittwoch vor Journalisten. "Wir müssen an unsere eigenen Interessen denken."
Am gleichen Tag berichtete der ukrainische Fernsehsender ICTV mit Hinweis auf Regierungschef Juri Jechanurow, das ukrainische Ministerkabinett werde sich am Donnerstag der Gasfragen annehmen, nachdem der zuständige Brennstoff- und Energieminister Iwan Platschkow von seiner Turkmenien-Reise zurückgekehrt sei. Laut Angaben des Senders werden die Gasprobleme hinter verschlossenen Türen diskutiert.

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