Wirtschaft
Gudok: Russischer Strommarkt interessiert ausländische Investoren nicht
Am 31. August hatte die russische Regierung die staatliche Regulierung der Stromtarife für Unternehmen aufgehoben. Für private Verbraucher würde eine Übergangsregelung festgesetzt.
Ziel der Reform war es eigentlich, die Stromerzeuger durch einen freien Wettbewerb zur Senkung ihrer Tarife zu veranlassen, erzählte Larissa Schirjajewa, eine Ressortleiterin im Stromkonzern RAO UES. Doch die Reform bewirkte das Gegenteil, was in einzelnen westrussischen Regionen die Strompreise um mehr als das Doppelte ansteigen ließ.
Da Kraftwerke in Russland ungleichmäßig verteilt sind, entsteht landesweit ein krasses Mißverhältnis zwischen Nachfrage und Angebot: Während das europäische Russland unterversorgt ist, weisen die östlichen Regionen einen Überschuss an Strom auf.
Deshalb sind die Tarife etwa im Nordkaukasus drei- bis fünfmal so hoch wie in Sibirien. Aber auch Investoren könnten die Preise nicht wieder drücken. Denn neue Projekte würden höhere Tarife erfordern, um sich auszuzahlen.
Experten zufolge kann von einem wettbewerbsfähigen und für Investoren attraktiven Strommarkt in Russland noch nicht die Rede sein. "Die neue Regelung ist lediglich der erste Schritt zu einem freien Markt. Bislang waltet dort der Strommonopolist RAO UES", sagt Dmitri Skrjabin von der Investmentgesellschaft Aton. "Unter Bedingungen, wo ein Unternehmen die Preise festsetzt und die Nachfrage kontrolliert, kann von einem Wettbewerb nicht die Rede sein."
Ausländische Investoren schrecken weniger vor den bestehenden Spielregeln auf dem russischen Strommarkt, als eher vor hohen kommerziellen Risiken zurück. Die russischen Inlandspreise für das Erdgas könnten schließlich den europäischen Stand erreichen, nachdem die Investoren ihre Kraftwerke in Russland errichtet haben.

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