
MOSKAU, 22. Oktober (RIA Novosti). Der Erdölpreis hat vorige Woche einen neuen Rekordstand erreicht. An der New Yorker Börse überschritt er am Donnerstag die psychologische Marke von 90 Dollar je ein Barrel.
Ende dieses Jahres könnte der Ölpreis bis auf 100 Dollar je Barrel steigen, schreibt am Montag die russische Zeitung „Wremja Nowostej“. Dass das irgendwann passieren wird, hatten der venezolanische Präsident Hugo Chavez und die Deutsche Bank bereits 2004 gewarnt. Einem Bericht der Deutschen Bank zufolge könnte eine Drosselung von Öllieferungen infolge einer Katastrophe oder einer Sabotage den Preis nach oben treiben. Der gegenwärtige türkisch-irakische Konflikt bestätigt diese Vermutung.
Venezuelas Staatschef Hugo Chavez ist seit langem durch seine treffenden Ölpreisprognosen bekannt. Bereits 2001 hatte er vermutet, dass der Ölpreis die Marke von 50 Dollar je Barrel erreichen würde. Damals nahm niemand seine Prognose ernst. Drei Jahre später wurde sie wahr.
2004 machte Chavez während seines Großbritannien-Besuchs eine neue Prognose: Wenn die USA Iran überfallen würden, würde ein Barrel 100 Dollar kosten. „Die Mittelklasse in Großbritannien müsste auf Fahrzeuge verzichten“, sagte damals Chavez bei einem Treffen mit dem Londoner Bürgermeister Ken Livingstone. „Bei einem Überfall der USA würde Iran den Ölhahn zudrehen. Wir würden dasselbe machen, sollte man uns angreifen.“
Später begründete Chavez seine Prognose damit, dass die Welt wegen des von den USA aufgezwungenen „Modells einer Gesellschaft mit unbegrenztem Konsum“ am Rande einer Energiekrise stehe.
Die Aufregung an der Börse basiere auf mehreren Faktoren, sagt Michail Perfilow von der Ölagentur Argus. Erstens ist das der militärische Faktor: Die Türkei droht mit einem Einfall im Irak, der Atomstreit mit Iran dauert an. Außerdem meldete BP einen Brand im Ölfeld North auf Alaska, wodurch die Ölförderung um mehrere Millionen Barrel sinken soll. Darüber hinaus erwarten die Spekulanten im November und Dezember Engpässe auf dem europäischen Markt für Ölprodukte, weil die jetzigen Reserven niedriger als in den letzten Jahren sind. Auch der Finanzmarkt heizt den Ölmarkt an: Der Kursverfall des Dollars führte zu massiven Investitionen in den Ölsektor.
Nach dem Jahreswechsel erwarten Experten eine Abkühlung auf dem Markt. Perfilow zufolge würde der Ölpreis im ersten Quartal zwischen 60 und 80 Dollar je Barrel liegen. Gegen Ende des Winters gehen die Ölpreise wegen des niedrigeren Verbrauchs in der Regel zurück.