
BRÜSSEL, 31. Januar (RIA Novosti). Die Europäische Union rechnet damit, in Zukunft Erdgas aus Irak über die Gaspipeline Nabucco zu beziehen, die vom Kaspischen Meer über türkisches Territorium nach Österreich verlegt werden soll. Das teilte EU-Energiekommissar Andris Piebalgs am Donnerstag mit.
„Es kommt darauf an, dass irakisches Gas dem Nabucco-Strom angeschlossen wird“, sagte Piebalgs nach seinem Treffen mit dem irakischen Ölminister Hussein al-Shahristani in Brüssel.
Der EU-Kommissar bemerkte zugleich, der Irak sei kein Mitglied des internationalen Konsortiums für das Nabucco-Bauprojekt.
„Es wurden bisher keine offiziellen Verhandlungen darüber geführt“, sagte Piebalgs.
Die EU rechnet damit, durch den Betrieb der Rohrleitung Nabucco die Abhängigkeit vom russischen Gasimport zu verringern. Wie europäische Massenmedien jedoch bemerken, haben sich die Mitglieder des Konsortiums - Ungarn, die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Österreich - keine Garantien für solche Gaslieferungen gesichert. Ohne dies würde es ihnen schwer fallen, sieben Milliarden US-Dollar für die Bauarbeiten zu mobilisieren.
Neben dem Irak werden auch Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenien, Ägypten und Iran als potenzielle Gaslieferanten im Nabucco-Projekt genannt.
Wie der irakische Ölminister mitteilte, wird die Regierung seines Landes demnächst die Antwort auf das Angebot des Unternehmens Shell zur Beteiligung am Abbau eines Gasvorkommens im Süden des Landes geben. Laut al-Shahristani könnte Erdgas von diesem Vorkommen nach Europa geliefert werden.
Die Kapazität der 3300 Kilometer langen Pipeline wird auf maximal 31 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr geschätzt. Der erste Liefertermin ist für das Jahr 2012 anberaumt.