
MOSKAU, 03. April (RIA Novosti). Nur einige relativ warme Tage haben Europa im Winter vor einem Energiekollaps gerettet, der kommende Winter kann jedoch zu einer ernsthaften Herausforderung für das Energiesystem werden.
Das stellte der schweizerische Forscher Michael Dittmar vom Züricher Institut für Elementarteilchen-Physik fest.
Auf der Grundlage von Angaben der Union für die Koordinierung des Transports elektrischer Energie (UCTE) kam er zu dem Schluss, dass die Hauptbelastung für die Energiewirtschaft vor allem an einigen kalten Wintertagen das zulässige Niveau deutlich überschritten hatte.
"Die Angaben der UCTE über die Kapazitätsreserven zeigen, dass im Laufe des Winters 2007/2008 nur einige kalte Wintertage in Westeuropa zu sehr unangenehmen Problemen der Energieversorgung während der Spitzenbelastungszeiten am Abend in Frankreich und den Nachbarländern hätten führen können", schreibt Dittmar in einem Bericht, der auf der Webseite der elektronischen Bibliothek der Cornell University veröffentlicht wurde.
Ihm zufolge wurde am 17. Dezember ein neuer Rekordwert des Stromverbrauchs gemessen.
Dittmar betonte, dass in den vergangenen 30 Jahren das Verbundnetz der reichen westeuropäischen Länder dank seiner hohen Flexibilität und den großen Kapazitätsreserven sehr stabil funktioniert und deshalb ein prozentuelles Wachstum des Energieverbrauchs ausgehalten habe.
In den vergangenen 10 bis 15 Jahren wurden in Europa keine neuen großen Kraftwerke gebaut, der Energieverbrauch steigt jedoch jährlich um ein bis zwei Prozent an.
"Ohne das Einschreiten der Regierungen verschiedener europäischer Länder für die Verringerung des Energieverbrauchs erhöht sich das Risiko von Blackouts künftig dramatisch", warnt der Experte.
Statt passiv auf die Katastrophe zu warten schlägt er einer Reihe von einfachen politischen Maßnahmen vor, die ihm zufolge helfen sollen, das Risiko von Massenstromausfällen zu senken.
Unter anderem solle eine Bürgerkampagne gestartet werden, um der Bevölkerung bewusst zu machen, dass jeder Verantwortung für einen möglichen Energiezusammenbruch trägt, wenn während der Spitzenbelastungszeiten nicht Energie gespart wird.
In diesem Zusammenhang schlägt er vor, zu diesen Zeiten Elektroherde und Aufzüge nicht zu benutzen sowie bei Kerzenschein zu essen.