Wirtschaft
Russland verliert Pipeline-Rennen in Asien - "Gaseta"
Eine Quelle im indischen Ministerium für Erdöl- und Gasindustrie teilte mit, dass ein entsprechendes offizielles Treffen der Öl- und Gasminister der am Konsortium beteiligten Staaten vom 21. bis 22. April in Islamabad geplant ist. Für Russland bedeutet das nicht nur eine Niederlage im Kampf um das Recht, seine Gaslieferungen an Indien in Angriff zu nehmen, sondern auch das Scheitern der seit langem gehegten Idee des strategischen Dreiecks Russland - Indien - China.
Die russische Seite lobbyiert schon seit mehreren Jahren die Idee eines Nord-Süd-Transportkorridors, insbesondere den Bau einer Gasleitung Iran - Pakistan - Indien (IPI, Länge: 2700 Kilometer, Leistung: 30 bis 35 Milliarden Kubikmeter), die Asien mit Europa verbinden soll. Dieses Projekt war ein direkter Konkurrent des von USA geförderten Projekts eines Ost-West-Korridors (über Baku, Tiflis und Ceyhan) zu schaffen. Im Ergebnis war das eine mehr als zehnjährige Rivalität der USA und Russlands in der Region in Form von zwei konkurrierenden Gasleitungen.
Die instabile Situation in Afghanistan war lange Zeit günstig für Russland, sodass es die Verhandlungen über das IPI-Projekt aktivierte. Doch der Konflikt zwischen Iran und Indien von Anfang 2006 (Irans neue Staatsführung forderte Indien auf, die Preise für die 2004 vereinbarten Gaslieferungen zu revidieren) legte die Verhandlungen auf Eis. Die Gefahr einer mehr als 53-prozentigen Erhöhung der Gaspreise sowie die russisch-iranischen Projekte im Bereich der Atomenergie bewogen Indien dazu, das proamerikanische Projekt TAPI (Turkmenien - Afghanistan - Pakistan - Indien, 1600 Kilometer lang, 33 Milliarden Kubikmeter) auszuwählen.
Einige Experten sind jedoch der Ansicht, Russlands Niederlage beim Rennen um die südasiatischen Rohrleitungen sei noch nicht endgültig. Denn die instabile politische Situation in Afghanistan könne den TAPI-Bau wenn nicht zum Scheitern bringen, so doch für lange Zeit aufhalten. Außerdem sei bisher nicht klar, ob Turkmenien imstande sein werde, allen vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen.
"Indiens Energiebedarf ist sehr hoch, deshalb wird es gern den Nutzen aus der Beteiligung an beiden Projekten ziehen", so Bharat Karnad, Experte des indischen Zentrums für politische Studien.
Die Realisierung beider Projekte wird Zentralasien in ein mächtiges Energieverteilzentrum verwandeln, das die Lieferungen sowohl in westlicher als auch in östlicher Richtung verteilt. Das in der Region entstehende System der Gasleitungen wird geschlossen und absolut autonom sein. Wenn Russland außerstande sein wird, seine Teilnahme an diesem neuen System jetzt zu sichern, so könnten sich die Lieferungen von russischem Gas auf den aufnahmefähigen asiatischen Markt später auf kleine Partien von verflüssigtem Naturgas von Sachalin beschränken.

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