RIA Novosti

Algerien und Katar wollen Gaspreise wie beim Öl - "Wremja Nowostej"

15:45 03/07/2008

MOSKAU, 03. Juli (RIA Novosti). Die nach Russland zwei weltgrößten Gasexporteure Katar und Algerien bestehen auf einer Prüfung des Preisverhältnisses zwischen Öl und Gas, schreibt die russische Zeitung "Wremja Nowostej" am Donnerstag.

Algeriens Energieminister Schakib Chalil, zugleich OPEC-Vorsitzender, hat die Überzeugung geäußert, dass die Gaspreise bald die Ölpreise einholen würden. Außerdem teilte Chalil mit, dass Algerien aufhören wolle, langfristige Verträge zu unterzeichnen, die den Preisanstieg bei Gas ungerechterweise eindämmen und bei Preisverhandlungen mit Käufern störend wirken. Dieser Beschluss kann einer der ersten tatsächlichen Schritte zur Schaffung eines Gaskartells werden.

Der russische Energieriese Gazprom hält sich weiter an stabilen langfristigen Vereinbarungen. "Unsere Idee ist Aufrechterhaltung der Stabilität", erläuterte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow gestern "Wremja Nowostej". "Wir wollen wegen augenblicklicher Gewinne keine heftigen Schritte unternehmen." Langfristige Verträge würden es erlauben, setzte er fort, die Balance zwischen den Interessen der Lieferanten und denen der Verbraucher zu halten.

Sonderbar genug, aber Vorschläge, die Gas- von den Ölpreisen abzutrennen, kommen neuerdings aus Brüssel. Einige Experten und Politiker erklären diese Idee mit dem Wunsch, dem Gaspreisanstieg ein Ende zu setzen, denn viele halten diese Preise für rein spekulativ. Die Initiative von Katar und Algerien zeugt davon, dass sie von besagter Idee ein direkt entgegengesetztes Ergebnis erwarten.

Gegenwärtig ist Gas ungefähr um 40 Prozent billiger als "schwarzes Gold". "Es ist eine historische Absurdität, dass Erdöl, das in Bezug auf die Verbrennungswärme und Ökologie Gas nachsteht, mehr kostet als Gas", gibt Leonid Grigorjew, Präsident des Instituts für Wirtschaft und Finanzen, zu. "Zugleich wird Erdöl hauptsächlich für die Produktion von Autokraftstoff und nicht als Wärme- oder Stromenergie genutzt." Zum Teil ist mit ihm Wladimir Milow, Präsident des Instituts für Energiepolitik, einverstanden: "Erdöl lässt sich als Verkehrskraftstoff schwer ersetzen, im Unterschied zu Gas, das bei der Stromerzeugung relativ leicht durch Kohle zu ersetzen ist." Die überhöhten Gaspreise hätten schon, sagt er, in Europa die Nachfrage nach Kohle gesteigert. Dieser Trend werde sich, so Milow, erhalten: "Deshalb sollten sich die Gaslieferanten Gedanken darüber machen, dass sie in ihrer Jagd nach Superprofiten einen Teil des Marktes an die Produzenten anderer Brennstoffe abtreten werden müssen."

Nach Grigorjews Ansicht bergen die Erklärungen von Algerien und Katar bisher keine direkte Gefahr der Gründung eines Gaskartells in sich. Doch der Beginn der Diskussion zeuge davon, dass einige Produzenten von verflüssigtem Naturgas auf eine Änderung des Preisformelsystems Anspruch erheben.

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