RIA Novosti

Putin will Usbekistan von West-Kurs abbringen - „Kommersant“

15:50 01/09/2008

MOSKAU, 01. September (RIA Novosti). Moskau ist besorgt über die schleichende Annäherung Usbekistans an den Westen, die nach dem Krieg in Georgien schneller voranschreitet. Darüber schreibt die Zeitung „Kommersant“ vom Montag.

Vor dem russischen Premier Wladimir Putin, der heute nach Usbekistan reist, steht eine komplizierte Aufgabe: Er muss das zentralasiatische Land dazu bewegen, in die Einflusssphäre Russlands zurückzukehren und keine US-Stützpunkte auf seinem Territorium zuzulassen.

Das Treffen Ende August zwischen dem Befehlshaber des US-Zentralkommandos (CENTCOM), Martin E. Dempsey, und dem usbekischen Verteidigungsminister Ruslan Mirsajew bestätigte Russlands Verdacht, Usbekistan wolle sich für US-Stützpunkte öffnen. Der Kreml war auch nicht glücklich damit, dass der usbekische Präsident Islam Karimow auf dem SOZ-Gipfel (Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit) die Moskaus Kaukasus-Politik und insbesondere die Anerkennung Abchasiens und Südossetiens nicht öffentlich unterstützte.

Um Usbekistan davon abzuhalten, einen Partner im Westen zu suchen, will Moskau die europäische Preisformel für das gesamte usbekische Gas anbieten, was langfristig aufgrund eines Vertrages für den Zeitraum von 2009 bis 2020 geschehen soll. Wie eine regierungsnahe Quelle behauptet, ähnelt dieser Vertrag jenem, den Gasprom-Chef Alexej Miller mit Turkmenistan im Juli in Aschchabad unterzeichnet hatte. Den exakten Preis wollte der Informant aber nicht nennen wollen.

Den Preis für usbekisches Gas hatte übrigens der kirgisische stellvertretende Wirtschaftsminister Akylbek Tjumenbajew vergangene Woche genannt. Während eines Treffens mit Geschäftsleuten in der Hauptstadt Bischkek teilte er mit, Kirgisien wolle im kommenden Jahr Gas in Usbekistan zum Preis von 300 US-Dollar je 1000 Kubikmeter kaufen. Das bedeutet, dass Gasprom das Gas zu einem Preis kaufen muss, der doppelt so hoch ist.

Usbekistan fördert 60 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Lediglich sieben bis acht Milliarden werden dabei an Gasprom verkauft, weil Usbekistan selbst viel Energie braucht und das Gasangebot dort hinter der Nachfrage hinkt. In der ersten Jahreshälfte 2008 zahlte Moskau 130 US-Dollar je 1000 Kubikmeter für das usbekische Gas, in der zweiten 160 US-Dollar.

Laut Information der „Kommersant“ will Putin den usbekischen Präsidenten dazu bewegen, den Bau einer Pipeline aus Usbekistan nach Russland zu genehmigen und dadurch die Kapazität des Pipeline-Netzes „Zentralasien-Zentrum“ von 45 auf 80 und sogar 90 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich zu steigern. Um dies zu erreichen, will Putin nicht nur einen neuen Gaspreis offerieren, sondern auch neue Investitionen von Gazprom in geologische Erkundungsprogramme in der usbekischen Region Ustjurt anbieten.

Wie eine Gasprom-Quelle der Zeitung hinter vorgehaltener Hand mitteilte, habe Moskau vorgesorgt und verfügt ebenfalls über einen „Plan B“. Bereits im Juli hatte Miller mit dem turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdymuchammedow die Möglichkeit erörtert, nicht nur eine sogenannte Kaspi-Pipeline (Kapazität: 20 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich), sondern auch eine Zusatzpipeline mit einer Transportleistung von knapp 30 Milliarden Kubikmeter zu bauen.

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