Wirtschaft
Gazprom - Europas Albtraum - "Gaseta"
Nigeria hat die reichsten Gasvorräte Afrikas. Nach Schätzungen von BP-Fachleuten beziffern sie sich auf 5 Billionen Kubikmeter. In Brüssel hoffte man auf Gaslieferungen aus nigerianischen Vorkommen, die mit der Zeit erschlossen werden sollen. Das Gas soll über die Pipelines GALSI (Algerien - Sardinien - Italien) und Medgaz (Algerien - Spanien) in die EU fließen. Es wird erwartet, dass ab 2015 auch die Pipeline NIGAL (aus Nigeria nach Algerien, auch Trans-Sahara-Projekt genannt) genutzt werden kann.
Auch Gazprom interessierte sich für das Projekt. Aber als die Europäische Union alle Kosten (rund 10 Milliarden Dollar) übernahm, ging sie davon aus, alle Pipelines ohne den russischen Energieriesen bauen zu können.
Die ersten Zweifel an der Realisierbarkeit dieser Pläne tauchten bereits im Sommer 2006 auf, als Gazprom mit der algerischen Sonatrach ein Abkommen über strategische Partnerschaft unterzeichnete. Nach dem gestrigen Memorandum mit der NNPCA zweifeln Experten nicht mehr daran, dass der Bau der Trans-Sahara ohne Gazprom kaum erfolgen könnte.
Für Europa sei die Beteiligung von Gazprom am NIGAL-Projekt halb so schlimm, behaupten Analytiker. Viel schlimmer sei, dass Gazprom versuche, die wichtigsten Energieströme aus Afrika nach Europa unter seine Kontrolle zu bringen, sagt Vitali Krjukow, Analyst der Investmentgesellschaft Kapital. Ihm zufolge sei die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens mit der NNPCA ein weiterer Schritt in diese Richtung. Der Annäherung an Nigeria sei der Abschluss ähnlicher Abkommen mit Algerien und Libyen, den afrikanischen Hauptexporteuren von Energieträgern, vorausgegangen.
Übrigens hat Brüssel noch Zeit, nach einer abermaligen alternativen Energiequelle zu suchen. Nach Meinung von Experten werde es Gazprom wohl kaum gelingen, in Nigeria rasch Erfolge zu vermelden. Ein Großteil der ausgebeuteten Vorkommen wird voll von westlichen oder von Joint Ventures kontrolliert. Begreiflicherweise hat keine der Seiten die Absicht, dem russischen Monopol die eigenen Anteile an diesen Projekten abzutreten. Die Erschließung neuer Abschnitte aber erfordert nicht wenig Zeit und Geld.
"Für Gazprom ist es heute sehr kompliziert, in Nigeria Fuß zu fassen", findet Swetlana Sawtschenko, Direktorin des Departements Investitionsprojektierung der Unabhängigen Gesellschaft 2K Audit - Delowyje konsultazii. "Die Erschließung neuer Vorkommen erfordert hohe Investitionen, die instabile politische Lage im Lande aber birgt ernste Risiken in sich. Und Gazprom realisiert gegenwärtig ohnehin zahlreiche Großprojekte. South Stream und Nord Stream, das Shtokman-Vorkommen, das Östliche Gasprogramm - all das setzt große Investitionen voraus", meint die Expertin tröstend.

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