
MOSKAU, 07. November (RIA Novosti). Russland wird „der Insel der Freiheit“ einen Kredit in Höhe von 335 Millionen US-Dollar gewähren. Darüber berichtet die Internet-Zeitung „Gazeta.Ru“ am Freitag.
Zum ersten Mal seit dem Zerfall der UdSSR gewährt Russland einen Kredit einem sozialistisch regierten Land. Wie auch in der Sowjetzeit wird dieses Geld dazu benutzt, um in Russland Güter und Serviceleistungen einzukaufen. Laut CIA World Factbook betrug der gesamte Haushalt Kubas im vorigen Jahr über 40 Milliarden US-Dollar. Der jährliche Warenumsatz zwischen Kuba und Russland ist weniger als der gewährte Kredit.
Bereits zu Sowjetzeiten stand die kommunistische Regierung auf Kuba bei Moskau mit 20 Milliarden US-Dollar in der Kreide. Nach der Wende brachte bis heute keiner der russischen Regierungschefs diese Schulden zur Sprache, darunter auch der damalige russische Premier Michail Fradkow, der 2006 Kuba besuchte. Havanna erkennt eigentlich seine Schulden nicht an, weil der Untergang der Sowjetunion der Wirtschaft Kubas einen vergleichbaren Schaden zugefügt hatte.
„Kuba ist unter den lateinamerikanischen Staaten am meisten an russischen Erzeugnissen wie zum Beispiel aus der Maschinenbauindustrie interessiert. Solche Güter machen 70 Prozent der russischen Ausfuhren nach Kuba aus“, sagt Wadim Teperman, stellvertretender Direktor des Instituts für die Länder Lateinamerikas.
„Kuba ist schon seit langem daran gewöhnt, Maschinen aus Russland zu benutzen, außerdem, ist Havanna nicht in der Lage, die teueren „Boeings“ zu kaufen, deswegen wird es ohnehin dazu gezwungen sein, zum Beispiel Flugzeuge aus russischer Produktion zu kaufen“, sagt Teperman weiter. Laut Teperman ist eine solche Zusammenarbeit mit Kuba für Moskau sehr vorteilhaft, denn im Moment kann Havanna etwa 100 Millionen US-Dollar jährlich zurückzahlen.
Die 20 Milliarden, die Havanna schuldet, sei „keine Sache der nächsten Zukunft“, so Teperman. In der letzten Zeit wurde die Zusammenarbeit Moskaus mit Havanna deutlich intensiviert. Der russische Vizepremier Igor Setschin besuchte „die Insel der Freiheit“ bereitd zweimal.
Russland hat bereits mehreren Entwicklungsländern die Schulden erlassen. Hier gehört Russland weltweit zu den vier führenden Staaten. So hat Russland zum Beispiel im April 2008 die Schulden Libyens in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar erlassen. Die Schulden Algeriens (insgesamt 4,7 Milliarden US-Dollar) sind ebenfalls erlassen worden. Dieses Land hatte sich im Gegenzug dazu verpflichtet, Kriegsgerät für die gleiche Summe in Russland einzukaufen. Die Schulden Afghanistans (mehr als zehn Milliarden), Vietnams (9,4 Milliarden) und der Mongolei (mehr als elf Milliarden) wurden ebenfalls von Moskau erlassen. Außer Kuba bleibt nur Nordkorea auf der Liste der Schuldner.