Wirtschaft
Estland will von Litauen mehr Klarheit zu Atomkraftwerksplänen
"Wir befürworten dieses Projekt", sagte Parts am Montag in der litauischen Hauptstadt Vilnius nach einem Treffen mit Litauens Energeiminister Arvydas Sekmokas und Wirtschaftsminister Dainius Kreivys. "Für uns wäre es günstiger, dass dieses AKW gemeinsam von Partnern und Freunden gebaut wird. Sollte das unmöglich werden - aus welchem Grund auch immer -, werden wir nach anderen Möglichkeiten suchen. Ich schließe sogar nicht aus, dass wir in Estland ein Atomkraftwerk im Notfall selbst bauen werden", sagte Parts.
Das Atomkraftwerk Visaginas soll das zur Sowjetzeit gebaute AKW Ignalina ersetzen, das auf Forderung der Europäischen Union (EU) bis Ende 2009 stillgelegt werden soll. In das Visaginas-Projekt wollen Litauen, Lettland, Estland und Polen einsteigen.
Parts äußerte seine Unzufriedenheit damit, dass mit der Realisierung dieses internationalen Projekts bislang nicht begonnen wurde. Der Willen nach einer vierseitigen Kooperation beim Bau dieses Atomkraftwerks war bereits 2006 bekundet worden. Aber über die Absichtserklärungen hinaus hat sich bislang nichts getan.
"Die Stromwirtschaft braucht Entscheidungen, aber keine Diskussionen und Erwartungen. Ich denke, dass der Beschluss schnellstmöglich gefasst werden soll." Litauen verwechsele politische und kommerzielle Fragen, die mit dem Bau des Kraftwerks verbunden seien, sagte der estnische Minister.
Estland arbeite nach seinen Worten daran, die eigene Windkraft- und Atomenergie zu fördern. Das Hauptanliegen bestehe jetzt darin, einen transparenten Energiemarkt im Baltikum zu schaffen, der nach klaren Regeln funktionieren sollte. Ein nächster Schritt wäre, diesen Markt mit dem Nördlichen und dem europäischen Strommarkt zu verbinden. "Die beste Variante wäre, ein zweites Kabel mit einer Leistung von 1000 Megawatt aus Estland nach Finnland zu verlegen. Als zweite Variante könnte eine Strombrücke zwischen Litauen und Polen geschaffen werden. Die dritte Möglichkeit sieht vor, das Baltikum und Schweden mit einem Stromkabel zu verbinden", sagte Parts.
Die Einordnung der Prioritäten wird aber in Litauen anders gesehen. Vilnius misst einem künftigen Kabel zwischen Litauen und Schweden die größte Bedeutung bei. Dem Projekt stünden Meinungsverschiedenheiten mit Lettland im Wege, das das Kabel von der lettischen Küste verlegen wolle. Es handele sich nach Parts' Worten um einen "nutzlosen Streit", denn es sei nicht wichtig, an wessen Küste das Kabel beginne. "Dieses Kabel wird in jedem Fall von allen drei baltischen Ländern genutzt", sagte der estnische Wirtschaftsminister.

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