Wirtschaft
Medwedew für Rubel als Reservewährung und supranationales elektronisches Geld
Thema: Petersburger Wirtschaftsforum
Wie Medwedew in einem am Freitag in der Tageszeitung "Kommersant" veröffentlichten Interview feststellte, werden heute trotz der Wirtschaftskrise Grundlagen für das globale Finanzsystem für die nächsten 30, 40 oder 50 Jahre gelegt. Die heutigen Staatschefs tragen dabei besondere Verantwortung.
Zum Thema Rubel als Reservewährung äußerte der Präsident: "Natürlich ist diese Idee für uns wichtig, aber nicht nur um einfach eine neue regionale Währung zu positionieren. Wenn wir ein internationales Finanzsystem werden schaffen können, dem eine größere Anzahl an regionalen Reservewährungen zu Grunde liegen würde, so würde unsere Welt stabiler sein. Heute gibt es Dollar, Euro, Yen, Pfund, Schweizer Franken - und das ist schon alles. Märkte gibt es aber viel mehr."
Dem US-Dollar "geht es heute nicht gerade glänzend, seine Zukunft lässt Fragen entstehen - wie übrigens auch die Perspektiven des globalen Devisensystems überhaupt. Deshalb besteht unsere Aufgabe darin, dieses System mobiler, zugleich aber ausgewogener zu machen".
Der Rubel sei zwar inzwischen konvertierbar geworden, "vorerst ist er aber nicht populär genug, um eine Reservewährung werden zu können".
"Ein Ansporn für einen Übergang zum Rubel als Reservewährung könnte dann geschehen, wenn die Verrechnungen für unsere wichtigsten (Export-) Artikel in Rubel erfolgen werden. In erster Linie geht es um die Energieträger. Sobald die Energiebörsen den Rubel akzeptieren werden, werden wir von ernsthaften Fortschritten bei der Umsetzung dieser Aufgabe sprechen können", betonte der Präsident.
"Unsere Wirtschaft wird nicht schwächer dadurch, wenn die Staaten einen Teil ihrer Gold- und Devisenreserven in Rubel haben werden. Im Gegenteil: Sie wird aus verständlichen Gründen dadurch stärker. Das Wichtigste aber, was ich betonen möchte: Die Krise hat diese Aufgabe zwar komplizierter, teils aber auch einfacher gemacht, diese jedoch nicht aus der Welt geschafft. Ausländische Anleihen sind heute weniger zugänglich geworden, deshalb eröffnen viele Länder bilaterale Devisenpositionen, etwa Brasilien mit China, China mit Weißrussland usw. Meines Erachtens sollten wir das auch überlegen, etwa Rubel gegen Yuan."
Eine weitere Idee, die momentan zwar aktiv diskutiert wird, jedoch noch in keinen Memoranden in der Endfassung verankert wurde, sei die Bildung einer supranationalen Währung. "Eine elektronische Geldeinheit, die von der gesamten Welt akzeptiert werden könnte, ist durchaus möglich", meinte Medwedew. Ein Prototyp dieser Weltwährung wären die Sonderziehungsrechte (Special Drawing Rights) des Internationalen Währungsfonds.
"Wir sollten keine Geiseln einer Situation sein, in der die globale Devisenstabilität von der makroökonomischen Situation in einem einzelnen Land abhängt. Das Risiko ist viel zu hoch, was die Krise auch gezeigt hat", so der russische Staatschef.

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