
KIEW, 29. Juni (RIA Novosti). Der russische Gaskonzern Gazprom rechnet mit einem baldigen EU-Überbrückungskredit für die Absicherung der russischen Gaslieferungen nach Europa.
Das sagte Gazprom-Vizevorstandschef Alexander Medwedew am Montag nach Gesprächen mit internationalen Gasexperten und Bankiers in Brüssel, wie die Nachrichtenagentur UNIAN meldete. "Wir haben mitbekommen, dass die Hilfe nicht früher als im September erwiesen werden könnte. Aber September wäre ein bisschen zu spät. Deshalb hoffen wir darauf, dass die Beschlüsse schneller gefasst werden", sagte Medwedew weiter.
"Normalerweise wird Erdgas zwischen April und September gespeichert, wobei die Reserven bereits im November abgezapft werden ... Der Gazprom-Konzern hat kein eigenes Gas in ukrainischen Speichern. Die Schaffung der Gasreserve ist eine Angelegenheit der Ukraine selbst", so der Gazprom-Vizevorstand.
Die Ukraine hat bisher erklärt, sie müsse 4,2 Milliarden US-Dollar an Russland zahlen, um ihre Untergrundspeicher die Gas-Weiterleitung nach Europa im Winter zu füllen. EU-Beamten gehen davon aus, dass die Summe deutlich niedriger sein könnte und möglicherweise nur etwa halb so hoch ist wie bisher angenommen. Die Regierung in Kiew verfügt nicht über das Geld. Die Ukraine ist auch wegen der Weltwirtschaftskrise finanziell schwer angeschlagen. Bis zum 7. Juli hat Kiew wieder eine russische Rechnung für das im Juni abgenommene Gas zu begleichen - schätzungsweise etwa 200 Millionen Dollar.
Am Montag hatten in der belgischen Hauptstadt Gespräche auf hoher Ebene unter Teilnahme von Vertretern der Energieversorger Gazprom (Russland) und Naftogaz (Ukraine), der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäischen Investitionsbank (EIB), der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) sowie von Experten europäischer Gasunternehmen stattgefunden.
Ende 2008 hatten Moskau und Kiew es nicht geschafft, Verträge über die Gasversorgung auszuhandeln. Europa musste wochenlang ohne Gas ausharren, nachdem die Ukraine die Transitleitung total blockiert hatte. Erst am 19. Januar unterzeichneten Moskau und Kiew Gasverträge für 2009-2019, wonach für die Ukraine ein 20-prozentiger Preisnachlass gilt. Vorgesehen ist, dass Kiew erst ab 2010 Marktpreise für russisches Gas zahlen wird.
Gazprom und der ukrainische Versorger Naftogaz einigten sich ferner darauf, dass russisches Gas für den laufenden Monat nicht später als am 7. des darauffolgenden Monats bezahlt wird. Sollten die Zahlungen ausbleiben, darf Russland Vorkasse verlangen.
Ein Kreditantrag Kiews wurde von Moskau abgelehnt. Die führenden Repräsentanten der EU hatten auf ihrem Gipfel am 18.-19. Juni in Brüssel beschlossen, der Ukraine einen Überbrückungskredit zur Absicherung der russischen Erdgaslieferungen nach Europa zu gewähren. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sagte damals, dass die EU eine Gaskrise vom Januar dieses Jahres vermeiden will, sich zugleich auf die schlimmste Entwicklung gefasst sein soll.