Wirtschaft
Rekordpreis für Aserbaidschan: Russland erzielt Punktsieg im Pipeline-Poker
Das berichtet die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant“ in ihrer Dienstagsausgabe.
Der Vertrag über aserbaidschanische Gaslieferungen nach Russland wurde am Montag während eines Blitzbesuchs des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in Baku unterzeichnet. Schon am Montagabend tauchten Meldungen auf, dass die Unterzeichnung des Regierungsabkommens über den Bau der Nabucco-Pipeline verschoben werden könne. Aserbaidschan gilt als potentiell wichtiger Gaslieferant für das von der EU-Kommission forcierte Nabucco-Projekt. Laut Plan sollen durch diese Pipeline ab 2014 jährlich 20 bis 30 Milliarden Kubikmeter Gas an Russland vorbei auf der Route Türkei - Bulgarien - Rumänien - Ungarn - Österreich befördert werden.
Russland und sein Staatskonzern Gazprom haben aber seit langem die aserbaidschanischen Vorkommen im Visier, berichtet „Kommersant“. Deshalb versucht Moskau den Westen und dessen Nabucco-Projekt von den aserbaidschanischen Bodenschätzen wegzudrängen.
Wie viel Gazprom für das aserbaidschanische Erdgas zahlen wird, wollte Konzernchef Alexej Miller nach dem Vertragsabschluss vom Montag nicht verraten. Von anderen Verhandlungsteilnehmern erfuhr die „Kommersant“ jedoch, dass der Energieriese bereit sei, ganze 350 Dollar je 1000 Kubikmeter zu zahlen. Bislang hatte Moskau nur den zentralasiatischen Gasproduzenten Usbekistan und Turkmenistan mit 300 Dollar je 1000 Kubikmeter einen vergleichbaren Preis in Aussicht gestellt. Nach dem Preisverfall auf dem Gasmarkt hörte Gazprom jedoch auf, das turkmenische Gas aus dem Rohr zu entnehmen, was zu einem Zerwürfnis zwischen Moskau und Aschchabad führte.
Von russischen Unterhändlern erfuhr die „Kommersant“ zudem, dass Russland aserbaidschanisches Gas in gewaltigen Mengen, unter anderem auch vom Vorkommen Schach-Denis-2 erhalten wolle, welches die EU als Gasquelle für Nabucco betrachtet. „Das ist ein schwerer Schlag für Nabucco“, zitierte die Zeitung ihre Quelle. Ihr zufolge hat der aserbaidschanische Präsident Ilcham Alijew aber auch den westlichen Gasverbrauchern etwas übrig gelassen. „Er will nicht alle Eier in einen Korb legen. Für den heutigen Vertrag müssen wir den Amerikanern danken, die ihn (Alijew) in der letzten Zeit in Bezug auf Demokratie und Menschenrechte zu stark unter Druck setzten.“

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