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Russlands Alkoholmarkt vor Wandel - Russlands Presse

Thema: Moskau sagt Trunksucht erneut Krieg an

16:18 02/07/2009
MOSKAU, 02. Juli (RIA Novosti). In Russland beginnt erneut eine Anti-Alkohol-Kampagne, die längst wieder hätte gestartet werden müssen, schreiben russische Zeitungen am Donnerstag.

Möglicherweise hängt das mit den für Russland ewigen Plänen zusammen, ein staatliches Monopol auf das Alkohol einzuführen.

"Heute sammelt der Staat auf dem legalen Alkoholmarkt Genusssteuern für 75 Milliarden Rubel. Es könnten aber 90 Milliarden sein", erklärt Wadim Drobis, Direktor des Zentrums für Studium des föderalen und der regionalen Spirituosenmärkte. (1 Euro = 43,90 Rubel.)

"Wenn der ganze Alkoholmarkt schnell legalisiert (was wenig wahrscheinlich ist) wird, könnte der Staat Genusssteuern in Höhe von 155 Milliarden Rubel im Jahr bekommen."

Pawel Schapkin, Leiter des Zentrums für die Ausarbeitung der nationalen Alkohol-Politik (Moskau), legt seinen Standpunkt dar. "Zwischen den Aufgaben, den Haushalt aufzufüllen und die sozialen Folgen des Alkoholmissbrauchs zu mindern, besteht ein tiefer Widerspruch. Wenn sich der Staat das Ziel setzt, die Einnahmen aus dem Alkoholverkauf zu erhöhen, wird er früher oder später auf die Zunahme des Verkaufs von Wodka und Wein hinwirken müssen. Das aber ist in unserer Situation widernatürlich."

Die Alkoholisierung und die damit verbundenen ökonomischen und demografischen Verluste sind wirklich eine der harten Realitäten in Russland. Laut Angaben einer internationalen Studie (Ergebnisse vor kurzem in der Zeitschrift "The Lancet" veröffentlicht) hingen 52 Prozent der Todesfälle unter der arbeitsfähigen Bevölkerung in den russischen Städten 1990 bis 2001 mit Alkoholismus zusammen.

Nach Schapkins Ansicht wäre ein staatliches Monopol auf den Alkoholeinzelverkauf aussichtsreicher als die Einführung eines Monopols auf den Großhandelsumsatz von Spiritus: "Eine solche Maßnahme wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt und blieb bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs in Kraft, als das 'trockene Gesetz' eingeführt wurde.

In dieser Zeit stiegen die Einnahmen in den Haushalt aus dem Alkoholverkauf beinahe auf das Vierfache. Zudem bleibt die Produktion in Privathand. Die Unternehmen werden effektiv verwaltet, der Wettbewerb zeigt Wirkung."

In einem so großen Land sind zentralisierte Reformen sehr schwer zu verwirklichen: Vor Ort kommt es entweder zu Überspitzungen oder zur Sabotage, und von Moskau aus lässt sich alles sowieso nicht kontrollieren.

Doch die Erfahrungen mit der Einschränkung der Zugänglichkeit von Alkohol in einigen Regionen (meist das Verbot, nachts starke Alkoholgetränke zu verkaufen) sind durchaus positiv: Dort hat sich die Kriminalität vermindert, ohne dass dabei die Haushaltseinnahmen gesunken wären.

Quellen: "Wedomosti", "Rossijskaja Gaseta" vom 02.07.09.

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