RIA Novosti

Türkei überrascht Russland mit neuen Bedingungen für Gastransit - "RBC Daily"

13:36 11/08/2009

Nach ihrer Zusicherung, das Gaspipeline-Projekt South Stream zu unterstützen, will die Türkei plötzlich Russland ebenfalls um einige Präferenzen bitten, schreibt die Wirtschaftszeitung "RBC Daily" am Dienstag.

MOSKAU, 11. August (RIA Novosti). Nach ihrer Zusicherung, das Gaspipeline-Projekt South Stream zu unterstützen, will die Türkei plötzlich Russland ebenfalls um einige Präferenzen bitten, schreibt die Wirtschaftszeitung "RBC Daily" am Dienstag.

So ist Ankara zwar bereit, die Verträge über den Kauf von russischem Gas um 15 bis 25 Jahre zu verlängern, im Austausch dafür will es aber eine Genehmigung für den Weiterverkauf des Gases bekommen sowie den Preis für das russische Gas nach unten korrigieren lassen. Laut Beobachtern wird der russische Konzern Gazprom einige dieser Bedingungen akzeptiert müssen.

Für diese Forderungen sei der richtige Zeitpunkt gewählt worden, schreibt das Blatt. 2011 läuft das Abkommen über den Erwerb von russischem Gas über den so genannten West-Korridor (über die Ukraine und Bulgarien) ab. Im neuen Vertrag will die Türkei ihre Bedingungen durchsetzen. Außerdem haben die Regierungschefs beider Seiten vergangene Woche mehrere wichtige Dokumente über Öl- und Gasgeschäfte unterzeichnet. Das Hauptergebnis ihres Treffens: Russland hat von der Türkei die Zustimmung für Vorarbeiten zur geplanten South-Stream-Leitung bekommen. Bekräftigt wurden auch die Pläne für den Bau der Gaspipeline Blue Steam-2.

Die Türkei wolle die Preisbildungsformel für Gas ändern, was nicht unbedingt zu einer Verringerung des Gaspreises in mittel- und in langfristiger Perspektive bedeuten werde, meint Michail Kortschemkin, Generaldirektor der Unternehmensberatung East European Gas Analysis. "Ankara hat aber starke Verhandlungspositionen, weil das Angebot viel größer ist als die Nachfrage. Gazprom steht nun lediglich zur Wahl, das Gas nach einer neuen Preisformel zu verkaufen oder überhaupt nicht zu verkaufen."

Für die Türkei wäre es einträglicher, Gas bei ihren Nachbarn zu kaufen, weil die Transportkosten dann geringer wären, stellt Dmitri Ljutjagin, Analyst der Investmentgesellschaft Veles Capital, fest. Anscheinend will Ankara mit der Neugestaltung der Preise für das Gas, das über den West-Korridor geliefert wird, die Vertragsbedingungen zu Blue Stream etwas zu verbessern. Die Gas-Frage kann aber auch gar nicht angeschnitten werden, wenn Russland der Türkei erlaubt, einen Teil des Gases weiterzuverkaufen. "Der zweite Strang von Blue Stream wird aktiv diskutiert, generell ist er aber für die Türkei hinsichtlich der Deckung des eigenen Bedarfs kaum notwendig", so Alexander Schtok aus der Consulting-Gruppe 2K Audit - Delowyje Konsultazii. Dies erhöhe die Chancen des Landes, das Recht auf den Weiterexport von russischem Gas zu bekommen, meint er.

© 2010 RIA Novosti