Wirtschaft
Ukraine will weniger Gas aus Russland beziehen - "Kommersant"
Gestern bestätigte die ukrainische Regierung ein Entwicklungskonzept für das Gastransportsystem des Landes von 2009 bis 2015, welches die Ersetzung von jährlich sieben Milliarden Kubikmeter Importgas durch Strom vorsieht.
Eine dem ukrainischen Energieversorger Naftogas nahe stehende Quelle sagte, dass im Dokument die volle Umstellung der Gaspumpanlagen in den Verdichterstationen mit ihren jetzigen Gasturbinen- und Kolbentriebwerken auf Stromantrieb in Aussicht genommen worden sei. Dadurch könne weniger technologisches Gas importiert werden und die Abhängigkeit von Russland verringert werden.
Ein Gazprom-Manager erläuterte inoffiziell, dass auf diese Weise die Ukraine den Gasankauf um sieben Milliarden Kubikmeter im Jahr senken werde. Dabei habe sich Naftogas verpflichtet, bis 2019 bei Russland nicht unter 41 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr zu kaufen.
Im August sprach bereits die ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko von den Plänen, den Verbrauch von russischem Gas von den vertragsmäßigen 52 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2010 bis auf 25 Milliarden zu drosseln. Damals versprach ihr Premier Wladimir Putin, Russland werde die Ukraine nicht dafür bestrafen.
Doch der Transittarif sehe vor, dass das Gastransportsystem mit Gas betrieben werde. "Wenn die Art des Brennstoffs verändert wird, so verändert sich auch die Preisbildungsformel. Das bezieht sich nicht nur auf die Transitsätze, sondern auch auf die Gaspreisformel für die Ukraine", erklärte eine Quelle.
Valeri Nesterow vom Investmenthaus Troika Dialog vermerkt, dass die meisten europäischen Länder für den Betrieb ihres Gastransportsystems Gas benutzen, während der Strom nur in den Netzen zur Anwendung komme, die im Umkreis von 100 Kilometer in der Nähe von Atomkraftwerken liegen. "Alle neuen Gasleitungen, darunter Nord Stream und Nabucco, werden mit gasbetriebenen Verdichtern geplant", unterstreicht der Analyst.
Nach Ansicht von Maxim Schejin von Brokerkreditservice wird die Umstellung der Stationen auf Stromenergie den Gastransitpreis erhöhen. "Zurzeit verausgabt die Ukraine 1,3 Milliarden Dollar im Jahr, um russisches Gas für technologische Zwecke zu kaufen, bei den laufenden Stromtarifen aber werden die technologischen Ausgaben zwei Milliarden Dollar ausmachen", erläutert der Analyst.
"Mit welchem Rohstoff die Verdichterstationen arbeiten werden, ist eine innere Angelegenheit der Ukraine", sagt Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow, "wir planen jedoch keine Revision des Vertrags mit der Naftogas und fordern von der ukrainischen Seite die Erfüllung seiner Bedingungen."

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