Wirtschaft
E.On will Verträge mit Gazprom revidieren - "Gazeta.Ru"
MOSKAU, 02. Dezember (RIA Novosti). Nach dem ukrainischen Gasversorger Naftogas Ukrainy fordert auch der deutsche Konzern E.On eine Revision der langfristigen Verträge mit Gazprom. Darüber berichtet die Internetzeitung "Gazeta.Ru" am Dienstag.
Die Deutschen wollen immer weniger Gas kaufen und keine Geldstrafen für die fehlende Gasentnahme zahlen. Experten zufolge ist russisches Gas jetzt das teuerste in Europa. Laut den in den Verträgen fixierten Preisen ist es für die EU-Länder einfach von Nachteil.
E.On sowie die italienische Eni und die türkische Botas haben dieses Jahr nicht einmal die vereinbarte Mindestmenge an Gas entnommen. Die Strafe könnte insgesamt 2,8 Milliarden Dollar betragen. Allerdings hat niemand diese Zahlen offiziell bestätigt. Vor kurzem wurde mitgeteilt, dass die Unternehmen darum gebeten hätten, ihnen die Strafen für die ungenügende Gasentnahme zu erlassen, und sich darauf berufen, dass die Ukraine diese Strafen nicht zu zahlen braucht.
Wie Michail Kortschemkin von East European Gas Analysis sagt, ist es für die Deutschen tatsächlich unvorteilhaft, russisches Gas zu kaufen. "Im Jahr kauft E.On bei Gazprom ungefähr 16 bis 18 Milliarden Kubikmeter", so der Analyst. "Dabei ist russisches Gas gegenwärtig am teuersten."
Zum Vergleich: Der Preis für Gas aus Katar, das die europäischen Länder laut kurzfristigen Verträgen erwerben, sank im Sommer unter 80 Dollar je 1000 Kubikmeter, während das Gas von Gazprom an der Grenze zu Deutschland 290 bis 295 Dollar kostet. Demnach verliert E.On nach annähernden Berechnungen beim Kauf von einer Milliarde Kubikmeter russisches Gas an die 200 Millionen Dollar.
"Gazprom sollte im Tausch gegen bestimmte für den Konzern günstige Schritte seiner europäischen Partner zeitweilige Vergünstigungen gewähren", fordert Kortschemkin. Seiner Ansicht nach wäre es für Gazprom insbesondere vorteilhaft und nützlich, an den europäischen Projekten der Schiefergasförderung teilzunehmen.
Kiew hat Moskau überredet, im kommenden Jahr die Gaslieferungen von 52 auf 33,75 Milliarden Kubikmeter zu senken - dadurch wurde ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen. Außerdem drohen der Ukraine in diesem Jahr auch keine Strafen für die ungenügende Gasentnahme. Nach verschiedenen Schätzungen hätten sich diese Strafen auf 5,8 bis 8,5 Milliarden Dollar belaufen können. Offiziell wurde dieser Beschluss am 25. November gefasst. Experten warnten schon damals davor, dass andere Gazprom-Partner ebenfalls den Wunsch verspüren könnten, ähnliche Bedingungen zu bekommen.
"Wenn Russland einem unzuverlässigen Partner entgegengekommen ist, könnte es das einem zuverlässigen gegenüber erst recht tun", so Dmitri Alexandrow, Experte von der Investitionsgesellschaft Univer Kapital.

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