Wirtschaft
Steigt Gazprom in den Stromhandel ein? – "Wedomosti"
MOSKAU, 03. Dezember (RIA Novosti). Der russische Gasriese Gazprom strebt nicht nur den Zugang zu den Gasherden der Hausfrauen in Europa, sondern auch zu ihren Steckdosen an, schreibt die Zeitung "Wedomosti" in ihrer Donnerstagausgabe.
Zum ersten Schritt in dieser Richtung kann bald der Austausch des Gases gegen den Strom werden. Die entsprechende Vereinbarung mit dem französischen Konzern Electricite de France (EdF) wurde in der vergangenen Woche getroffen.
Die Unternehmen einigten sich darauf, dass EdF zehn Prozent an dem Joint Venture bekommen kann, das den Abschnitt der Pipeline South Stream durch das Schwarze Meer (900 Kilometer für mehr als vier Milliarden Euro) projektiert. Dieser Deal muss allerdings mit dem italienischen Konzern ENI abgesprochen werden, dessen Anteil an diesem Projekt bei 50 Prozent liegt.
Das stört die neuen Partner jedoch nicht bei der bereits begonnenen Diskussion über die Art und Weise der Bezahlung des russischen Gases durch die französische Gesellschaft. Schließlich wurde beschlossen, das Gas gegen den Strom auszutauschen, der von den EdF-Atomkraftwerken produziert wird.
Gazprom und EdF verhandeln tatsächlich über einen Direktvertrag über Gaslieferungen, bestätigte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow. Nach seinen Worten könnten die Lieferungen theoretisch noch vor der Inbetriebnahme der South-Stream-Pipeline beginnen.
Dafür werde EdF (der 88,1 Prozent des ganzen Stroms in Frankreich herstellt) Gazprom seinen Strom liefern, den der russische Gaskonzern selbstständig auf dem Kleinhandelsmarkt absetzen könne. Der geplante Umfang des Gas-Strom-Austauschs und das Verrechnungschema werden von den Seiten allerdings geheim gehalten.
Gazprom hofft auf einen Zuwachs des Direktverkaufs in Frankreich. Derzeit belaufen sich die Lieferungen auf nur 500 Millionen Kubikmeter pro Jahr, während der gesamte Export des Konzerns im vergangenen Jahr bei 10,4 Milliarden Kubikmeter lag.
Bei der Unterzeichnung des Memorandums mit EdF erklärte Vizepremier Igor Setschin, der in der Diskussion stehende Vertrag mit den Franzosen sehe zusätzliche Lieferungen von bis sechs Milliarden Kubikmeter Gas jährlich vor.
Es sei geplant, dass der Strom gegen eben diese sechs Milliarden Kubikmeter ausgetauscht werde, sagte eine Quelle aus dem Umfeld von Gazprom. Wenn es wirklich so sei, dann könne Gazprom jedes Jahr bis zu 28 Milliarden Kilowattstunden Strom erhalten, vermutete der Uralsib-Analyst Alexander Selesnjow.
Im ersten Halbjahr 2009 verkaufte EdF seinen Strom im Durchschnitt für 0,05 Euro je Kilowattstunde, wie aus dem Bericht des Konzerns hervorgeht. Damit könnte Gazproms Gewinn für den Stromverkauf etwa 1,4 Milliarden Euro erreichen.

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