RIA Novosti

Gazprom: keine Nachsicht für europäische Gasimporteure

15:40 26/01/2010

Der Aufsichtsrat von Gazprom bespricht heute in seiner Sitzung unter anderem die Marketingpolitik des Konzerns während der Weltfinanzkrise.

MOSKAU, 26. Januar (RIA Novosti). Der Aufsichtsrat von Gazprom bespricht heute in seiner Sitzung unter anderem die Marketingpolitik des Konzerns während der Weltfinanzkrise.

Das geht aus einer Pressemitteilung von Gazprom hervor.

Dem stellvertretenden Generaldirektor von Gazprom Export, Sergej Tschelpanow, zufolge kann der russische Energiekonzern gegen seine europäischen Kunden Vertragsstrafen wegen Unterschreitung der für 2009 vereinbarten Abnahmemengen verhängen. Die Verträge sind nach dem Prinzip "take or pay" gestaltet.

Medien zufolge verhandeln die europäischen Kunden gegenwärtig mit Gazprom über ein Abwenden dieser Sanktionen und begründen ihre Forderung damit, dass gegen die Ukraine keine Vertragsstrafe verhängt worden sei.

Die größten europäischen Gasverbraucher, vor allem Deutschland, Italien und die Türkei, haben 2009 viel weniger Gas abgenommen, als vertraglich vorgesehen war.

Nach Angaben der russischen Zeitung "Kommersant" müssen der italienische Konzern Eni, die deutsche E.On Ruhrgas, das türkische Botas und noch einige Unternehmen an Gazprom Sanktionen in Höhe von insgesamt 2,8 Milliarden US-Dollar zahlen.

Gazprom-Chef Alexej Miller zufolge ist die gesunkene Gasnachfrage in Europa Ende 2008/Anfang 2009 kein Grund, um die Vertragspolitik von Gazprom zu überdenken. Um die Exportmengen von Gazprom beizubehalten und aufzustocken, müssen Miller zufolge die langfristigen Verträge verlängert und die Gaslieferungen nach dem Prinzip "take or pay" erhöht werden.

Alle Gazprom-Lieferverträge basieren auf dem Prinzip der Risikoteilung: der Käufer hat das Risiko, die vereinbarten Gasmengen abnehmen zu müssen, während der Lieferant ein finanzielles Risiko einkalkullieren muss, so Miller. Das bestehende und in den Verträgen festgelegte Schema der Risikoteilung sei ausgewogen und alle Versuche, dieses Schema zu ändern, würden das Gleichgewicht stören.

 

© 2010 RIA Novosti