Wirtschaft
China verzichtet bei AKW-Projekten zunehmend auf russische Hilfe – Russlands Presse
MOSKAU, 09. Februar (RIA Novosti). Russland wird die zweite Baufolge des AKW Tianwan deutlich günstiger für die Chinesen bauen als geplant, schreiben russische Medien am Montag und Dienstag.
Die Chinesen haben einen Rabatt bekommen, weil sie den Großteil der Ausstattung für das AKW im eigenen Land bauen werden. Demnächst könne China auch ohne ausländische Hilfe Atomkraftwerke bauen, warnen Branchenkenner.
Bei dem Bau der zweiten Baufolge des Tianwan-AKW in der ostchinesischen Provinz Jiangsu wird der russische Konzern Atomstroyexport nur 30 Prozent der Arbeit leisten. Den Rest werden ortsansässige Unternehmen übernehmen. Die Maschinenhalle, alle Pumpen und viele andere Anlagen für das Kraftwerk werden in China hergestellt. Dadurch schrumpfte der Vertragspreis von 3,5 auf 1,3 Milliarden Euro.
Die Vereinbarung über die zweite AKW-Baufolge lasse sich als ein „vernünftiger Kompromiss" einstufen, der etwas vorteilhafter für China sei, sagte der Experte der Investitionsgesellschaft Troika Dialog, Michail Stiskin. Die Chinesen seien sehr hartnäckige Verhandlungspartner und haben darauf bestanden, dass Russland nur die Ausstattungen liefert, die sie wirklich brauchen, präzisierte er.
„Selbst der von Russland ursprünglich angebotene Preis für die zweite AKW-Baufolge (zwei Blöcke von je 1000 Megawatt) lag unter dem Preis für den Bau der Kraftwerke in der Türkei oder in Bulgarien durch Russland", stellte Konstantin Guljajew vom Investitions- und Finanzhaus Kapital fest. „Der endgültige Preis für die russische Beteiligung ist gar nicht hoch."
Der Bau der ersten Baufolge des Tianwan-AKW, dessen zwei Blöcke von je 1000 Megawatt bereits in den kommerziellen Betrieb genommen wurden, hatte drei Milliarden Dollar (umgerechnet 1,8 Milliarden Euro) gekostet. Kein Wunder, dass die Chinesen es bevorzugen, die Ausrüstung selbst zu bauen: In manchen Fällen können sie dadurch ihre Kosten um 83 bis 86 Prozent reduzieren.
Dabei geht es nicht um die billigen chinesischen Arbeitskräfte: die Löhne der chinesischen Arbeiter sind mit den Löhnen in Russland durchaus vergleichbar. Aber in China funktioniert ein prinzipiell anderes Geschäftsmodell, das den vollständigen Produktionszyklus und einen niedrigen Verwaltungsaufwand vorsehe, erläuterte der stellvertretende Direktor des Instituts für den Fernen Osten, Andrej Ostrowski.
Außerdem seien in China die vom Staat geregelten Transport- und Stromtarife viel niedriger als in Russland. Letztendlich mache sich China auch keine Gedanken über die Umwelt und spare dadurch zusätzlich Geld ein, ergänzte der Experte.
Bald könne China aus eigener Kraft und ohne Russlands Hilfe Atomkraftwerke bauen, die es angesichts des permanenten Energiedefizits und des fehlenden Verbundsystems dringend brauche, prognostizierte der Leiter der Unternehmensgruppe Atompromressursy, Andrej Tscherkassenko. In den kommenden fünf Jahren können chinesische Unternehmen mit ihren Leichtwasserreaktoren auf den Weltmarkt kommen.
Quellen: „Gazeta.Ru" vom 08.02.10, "Kommersant" vom 09.02.10.

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