
MOSKAU, 10. März (RIA Novosti). Die nächste Weltkrise bricht in den nächsten zehn Jahren aus, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Mittwoch.
Laut einer Umfrage der Stiftung „Institut der Nachkrisenwelt" unter Experten soll es sich dabei jedoch nicht um eine Wirtschafts- oder Finanz-, sondern um eine geopolitische Krise handeln.
Die aktuelle Krise sei nicht die letzte: Die nächste werde eine Fortsetzung sein, die die Kräftekonstellation in der Weltwirtschaft verändern würde, warnen die Experten. Das liberale Modell der „unsichtbaren Hand des Markts" wird ihnen zufolge endgültig der Vergangenheit angehören, wobei die neue Wirtschaft größere staatliche Regulierung und größeren Nationalpatriotismus enthalten wird. Das werde die Entstehung von regionalen Clustern zur Folge haben, so dass die Globalisierung durch die Werte von lokalen Gemeinschaften gebremst werde. Als Großmächte der neuen Welt sollen sich China, Indien, die USA, Russland, Brasilien und die EU etablieren.
Das Institut hat 247 Wirtschaftsexperten, Berater, Unternehmer, Beamte und Journalisten aus 53 Ländern nach ihrer Meinung zur weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft gefragt. „Das war eine Umfrage unter Experten aus verschiedenen Berufen, die sich in ihren Fachgebieten auskennen und ein bestimmtes Gewicht bei der Beschlussfassung sowie bei der Prägung der öffentlichen Meinung haben", erläuterte der Institutsmitarbeiter Michail Polikarpow.
Ungefähr ein Viertel der Experten habe gebeten, ihre Namen nicht zu veröffentlichen, sagte die Direktorin des Instituts, Jekaterina Schipowa. In erster Linie handelt es sich dabei um Chinesen, was als Hinweis auf die Unterschiede zwischen dem offiziellen Standpunkt und dem realen Sachverhalt angesehen werden könne.
Frappierend sei der Pessimismus der Intellektuellen weltweit, stellte sie fest: „Die geopolitische Umverteilung der Kräfte samt dem Übergang zu einer multipolaren Welt könnten eine Kriegsgefahr bedeuten. Es gibt so einen Begriff: ‚Wahrsagung, die sich von selbst verwirklicht - je mehr Menschen an etwas glauben, desto mehr Chancen hat es, sich zu bewahrheiten."
Der Separatismus werde weiter zunehmen, so dass umfassende Ungleichheiten entstehen, die sich mit wirtschaftlichen Methoden nicht beseitigen lassen, stimmte der Leiter des Zentrums für Forschungen der postindustriellen Gesellschaft, Wladislaw Inosemzew, zu. Es werden geopolitische Hebel erforderlich sein. Nach seiner Auffassung werden die USA die Dominanz Chinas und die stärker werdenden Entwicklungsländer nicht verkraften.
„Es gibt auch noch schlimmere Szenarien, beispielsweise der Einsatz von Atomwaffen durch die Taliban", so der Rektor der Russischen Wirtschaftshochschule, Sergej Gurijew. „Es gibt aber auch die Meinung von Millionen Investoren, die sich in Kursnotierungen und fünf- und zehnjährigen Future-Kurven ausdrückt, bei denen die Prognosen bezüglich der geopolitischen Krisen kaum berücksichtigt werden. Die Märkte glauben an die Rationalität und Weisheit der Länder", so der Branchenkenner.
Die Stiftung „Institut der Nachkrisenwelt" ist ein unabhängiges Forschungszentrum, das in Moskau Anfang 2009 ins Leben gerufen wurde. Es wurde auf Initiative mehrerer bekannter russischer Organisationen gegründet, darunter der Stiftung „Öffentliche Meinung", des Zentrums für nichtkommerzielle Partnerschaft „Business-Solidarität", der Stiftung „Zentrum für Entwicklung des Aktienmarktes"