Wirtschaft
Tauschhandel: Russland schraubt Gaspreise für die Ukraine runter - „Wedomosti"
Thema: Neuer Gasstreit Russland - Ukraine
MOSKAU, 19. April (RIA Novosti). Nach Angaben Moskaus habe man sich mit Kiew auf neue Gaspreise geeinigt, schreibt die Zeitung „Wedomosti" am Montag.
Die ukrainische Regierung sprach jedoch nur von einem „gewissen Fortschritt". Offiziell werden keine Kommentare abgegeben. Laut ukrainischen Quellen ist Russland bereit, den diesjährigen Gaspreis um 20 bis 25 Prozent zu senken, wobei dem russischen Energiekonzern Gazprom drei Milliarden US-Dollar durch die Lappen gehen.
Bislang sei kein Abkommen unterzeichnet worden, betonen zwei Gazprom-Manager und eine der ukrainischen Präsidialverwaltung nahe stehende Quelle. Es gebe jedoch eine vorläufige Vereinbarung, so zwei Quellen gegenüber Zeitung „Wedomosti". Beide berufen sich auf Angaben aus der ukrainischen Regierung: In diesem Jahr soll der Durchschnittspreis zwischen 250 und 260 US-Dollar je 1000 Kubikmeter liegen. Im Haushaltsplan ist ein Preis von 334 US-Dollar vorgesehen.
Die Informationen über die Gültigkeitsdauer des neuen Gaspreises unterscheiden sich. Derzeit handele es sich nur um dieses Jahr, sagte der Mitarbeiter von Gazprom. Der Energiekonzern wolle ein zusätzliches Jahresabkommen zum elfjährigen Vertrag mit dem ukrainischen Gasversorger Naftogaz abschließen, der im Januar des Vorjahres unterzeichnet wurde. Die Zukunft des Dokuments ist noch unklar. Die der ukrainischen Präsidialverwaltung nahe stehende Quelle hat andere Informationen: Das zusätzliche Abkommen ändere nachträglich den Basispreis des Vertrags - gelte also bis 2019.
Eine Gaspreisermäßigung - ist „eine der Varianten, die wir tatsächlich besprechen", sagte Vizepremier Igor Setschin am Samstag. Die Ukraine hofft, dass sich alles am 21. April entscheiden wird, wenn der russische Präsident Dmitri Medwedew zu Besuch kommt (darum geht es in der Ankündigung der ukrainischen Regierung). „Die Frage wird erörtert... Sie müssen warten", sagte Medwedew am Freitag.
Nach Angaben von Setschin schlägt die Ukraine im Gegenzug „einige Varianten" der Zusammenarbeit vor. So kann Russland an der Wasserenergiewirtschaft in der Ukraine oder an deren Atomindustrie beteiligen. „Es gibt ebenfalls strategische Interessen und vieles mehr."
Ein Mitarbeiter des ukrainischen Energieministeriums und sein russischer Kollege nennen zumindest drei attraktive Vorschläge für Russland: Vertrag mit dem Konzern TWEL über die Lieferung von Kernbrennstoffen zwischen 2011 und 2015 (es gehe jedoch um Hunderte und nicht um Milliarden US-Dollar jedes Jahr, so der russische Beamte), Kaufvertrag für neue russische Ausrüstung für zwei Blöcke des Atomkraftwerks Chmelnizki (Regierungschef Putin hatte bereits versprochen, „die mögliche Finanzierung im Wert von fünf bis sechs Milliarden US-Dollar zu erörtern"). Zudem wurde vorgeschlagen, dem russischen Ölunternehmen Tatneft zu helfen, seinen Anteil an der ukrainischen Raffinerie Krementschug zurückzubekommen.
Die ukrainische Wochenzeitung „Zerkalo Nedeli" fügte zu dieser Liste unter Berufung auf das Dokument „Aktuelle Fragen für die Verhandlungen mit der russischen Seite..." weitere sechs Punkte hinzu: Moskau will die Fragen des gemeinsamen Baus der schweren Frachtflugzeuge An-124 „Ruslan" lösen, interessiert sich für das Werk zur Urananreicherung in Scholtyje Wody (Gebiet Dnepropetrowsk), das Werk Turboatom in Charkow. Gazprom will in der Ukraine mehr Einfluss haben.
Die russischen Investoren zeigen Interesse an Maschinenbau- und Rüstungsunternehmen. Russlands Regierung fordert günstige Investitionsbedingungen für sie.

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