
Eine Fusion des russischen Energiekonzerns Gazprom mit dem angeschlagenen ukrainischen Versorger Naftogaz würde der ukrainischen Bevölkerung die Gelegenheit bieten, Gas zu billigen russischen Inlandspreisen zu beziehen.
Das sagte Gazprom-Chef Alexej Miller am Freitag nach einem Treffen mit dem ukrainischen Energieminister Juri Bojko. Er erinnerte daran, dass der Gaspreis in Russland bislang staatlich reguliert werde und mittlerweile mit rund 48 Euro pro Kubikmeter deutlich unter dem Marktwert liege.
Der IWF hatte im Juli der Ukraine einen Kredit in Höhe von 15,15 Milliarden US-Dollar zugesagt. Im Gegenzug verpflichtete sich die Regierung in Kiew, die Gastarife für private Haushalte bis auf den Marktstand zu erhöhen. Am 1. August wurden die Tarife um 50 Prozent aufgestockt. Im kommenden April steht eine weitere Erhöhung an.
Der russische Regierungschef Wladimir Putin hatte Ende April bei einem Treffen mit seinem ukrainischen Kollegen Nikolai Asarow einen Zusammenschluss von Gazprom und Naftogaz vorgeschlagen. Laut Miller soll zuerst ein Joint Venture gegründet werden. Gazprom habe bereits konkrete Großvorkommen als Beitrag zum Gemeinschaftsunternehmen vorgeschlagen. Die Ukraine sollte im Gegenzug ihr Gaspipelinesystem und zu Naftogaz gehörende Förderunternehmen ins Grundkapital des künftigen Joint Ventures einbringen.
Der ukrainische Energieversorger, der unter dem früheren Präsidenten Viktor Juschtschenko beinahe pleite gegangen war, steht indes vor neuen Problemen: Ein Gericht in Kiew bestätigte das jüngste Urteil des internationalen Schiedsgerichts in Stockholm, wonach Naftogaz elf Milliarden Kubikmeter Gas dem Schweizer Zwischenhändler RosUkrEnergo zurückgeben müsse.
Außerdem soll der Zwischenhändler 1,1 Milliarden Kubikmeter Gas als Konventionalstrafe bekommen. All dies kostet insgesamt rund drei Milliarden US-Dollar. 2009 hatte die damalige ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko RosUkrEnergo von dem Gashandel zwischen Moskau und Kiew ausgeschlossen.