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Billiges Gas gegen Pipelines: Russland bietet der Ukraine Tauschhandel an - „Wedomosti“

Billiges Gas gegen Pipelines: Russland bietet der Ukraine Tauschhandel an
13:09 30/08/2010
MOSKAU, 30. August (RIA Novosti).

Russland hat der Ukraine ein Tauschgeschäft angeboten: Niedrige Gaspreise und stabile Gaslieferungen gegen die teilweise Übergabe des Gastransportsystems, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Montag.

Wie Gazprom-Chef Alexej Miller dem Fernsehsender Westi-24 nach den Verhandlungen mit den ukrainischen Kollegen am Freitag mitteilte, kann die Fusion des russischen Energiekonzerns mit dem ukrainischen Versorger Naftogaz einen riesigen sozialen Effekt haben. Die ukrainische Bevölkerung könne Gas zu russischen Inlandspreisen beziehen, die um 40 Prozent niedriger sind (rund 60 US-Dollar für 1000 Kubikmeter Gas). Gazprom und Naftogaz könnten zuerst ein Joint-Venture bilden, so Miller.

„Dies wäre ein wichtiger Faktor für die Vorhersagbarkeit und Stabilität der Gaslieferungen für die ukrainischen Verbraucher“, sagte Miller.

„Derzeit wird ein intensiver Dialog zur Erweiterung unserer Zusammenarbeit geführt. Wir erörtern unterschiedliche Varianten. Die wichtigste Bedingung: Sie müssen vorteilhaft sowohl für Unternehmen als auch für die Völker der beiden Länder sein“, sagte der ukrainische Energieminister Juri Bojko.

Gazprom habe der ukrainischen Seite eine Liste der Vorkommen vorgelegt, die ins Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden könnten, so Miller. Bislang wurde nicht bekannt gegeben, um welche Vorkommen es sich handelt. Betont wurde nur, dass es „Großvorkommen“ in Westsibirien und im Süden Russlands mit Vorräten von 0,8 bis eine Trillion Kubikmeter Gas sein können.

Laut einer Quelle aus dem Umfeld von Naftogaz werden ebenfalls Projekte zur Erschließung der Gasvorkommen in Astrachan (Südrussland) erörtert. Im Gegenzug wolle Gazprom die Kontrolle über die ukrainische Gaspipeline bekommen.

Laut den jetzigen Gesetzen müsse das ukrainische Gaspipelinesystem Eigentum der Ukraine bleiben, sagte Wadim Karassjow, Chef des Kiewer Instituts für globale Strategien. Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch könne zwar das Gesetz ändern (seine Partei der Regionen hat die Mehrheit im Parlament), er werde jedoch kaum diesen Schritt wagen. Dadurch könnten die Oppositionellen wieder  Aufwind bekommen, so Karassjow.

Moskau habe die dringende Frage der Ukraine nach dem Gaspreis angeschnitten, setzt Karassjow fort. Die ukrainische Bevölkerung bekomme Gas zum ermäßigten Preis - für rund 100 US-Dollar. Doch gelte für die Unternehmen der Importpreis, der rund um 200 Prozent höher sei.

Eine weiterere brennende Frage ist die Stabilität der Gaslieferungen. Die Pipelines Nord Stream und South Stream sollen unter Umgehung der Ukraine verlegt werden. Dennoch wurde es bislang nicht geschafft, eine Garantie  zu bekommen, dass die ukrainischen Pipelines komplett ausgelastet werden, heißt es aus dem Umfeld der ukrainischen Regierung.

Der Zusamenschluss von Gazprom und Naftogaz wurde im April vom russischen Regierungschef Wladimir Putin vorgeschlagen. Dennoch sei dies unvorteilhaft für Kiew, sagte Bogdan Sokolowski, ehemaliger Energieberater des früheren Präsidenten Viktor Juschtschenko. Russische Beamte geben zu, dass die Ukraine für 100 Prozent der Naftogaz-Aktien und das Gaspipelinesystem nur fünf Prozent am fusionierten Unternehmen bekommen werde. Die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens wäre ein Kompromiss, so Sokolowski. Moskau könne die ukrainischen Pipelines teilweise kontrollieren. Kiew bekomme im Gegenzug den Zugang zu russischen Vorkommen und eine garantiert ausgelastete Pipeline.

 

 

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