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BP-Chef Hayward tritt ab - doch Ölpest bleibt

Thema: Öldesaster im Golf von Mexiko

18:11 02/08/2010

MOSKAU, 02. August (Wlad Grinkewitsch, RIA Novosti). Am 1. Oktober löst der Amerikaner Robert Dudley den Briten Tony Hayward als BP-Konzernchef ab.

Zugleich veröffentlichte der Konzern Informationen über seine Verluste im zweiten Quartal dieses Jahres: 17,15 Milliarden US-Dollar. Ein Rekord für die internationale Ölbranche. Aber die Weltmärkte reagierten auf beide Ereignisse (wie auch zuvor auf die Umweltkatastrophe) eher zurückhaltend: die Aktienkurse sind nur gering gestiegen.

Haywards Rücktritt war seit langem erwartet worden, obwohl der Konzern immer wieder dementierte. Gleich nach der Havarie auf der BP-Bohrinsel Deepwater Horizon prognostizierten Branchenkenner, Haywards Tage als Vorstandschef seien gezählt. Anders hätte es auch nicht kommen können, denn auch rein aus formellen Gründen war er als Konzernchef für den Tod von elf Mitarbeitern verantwortlich, als auch für eine der größten Umweltkatastrophen in der Geschichte, die sogar als „Öl-Tschernobyl" bezeichnet wurde.

In den USA wird Hayward inoffiziel als „größter Feind des amerikanischen Volkes" angesehen. Angesichts der katastrophalen Folgen der Ölpest, bei deren Bekämpfung BP kaum Erfolge verbuchen konnte, war längst klar, dass Hayward seinen Posten bald verlassen muss. Zumal US-Präsident Obama bereits Anfang Sommer sagte: Wenn der BP-Chef im Weißen Hauses gearbeitet hätte, wäre er seinen Job sofort los geworden.

Havarie auf der Ölbohrinsel vor der US-Küste. INFOgraphiken

Die Umbesetzungen an der BP-Spitze werden allerdings die Beseitigung der Ölpest kaum beschleunigen. Der Konzern hatte sich übrigens bisher verpflichtet, das austretende Öl am defekten Bohrloch zu stoppen, doch die Ende vergangene Woche montierte Auffangkappe erwies sich als Reinfall. Jetzt kann der Austritt bestenfalls erst Anfang Herbst gestoppt werden.

Bemerkenswert ist, dass die größte Umweltkatastrophe der letzten Jahrzehnte keine wesentlichen wirtschaftlichen Folgen hatte. Gegenwärtig ist höchstens eine gewisse Schwächung der BP-Position auf dem internationalen Ölmarkt zu erwarten. Der Konzern hat bereits diese Folgen zu spüren bekommen: Erst ging die 350 Millionen Dollar teure Bohrinsel unter, dann mussten vier Milliarden Dollar für die Beseitigung der Havarie-Folgen ausgegeben werden. Außerdem wurden gegen BP massenweise (insgesamt mehr als 127.000) Klagen eingereicht. Neben den mehr als 17 Milliarden Dollar großen Verlusten im zweiten Vierteljahr muss auch der um mehr als 40 Prozent geschrumpfte Börsenwert des Unternehmens erwähnt werden. Unternehmensteile wurden bereits verkauft: Im Juli gingen mehrere Gasvorkommen und Gasverarbeitungsbetriebe für sieben Milliarden Dollar an die US-Firma Apache.

Die Tschernobyl-Katastrophe vom April 1986 hatte viele Staaten dazu veranlasst, die Entwicklung ihrer Atomenergiewirtschaft zu stoppen. Die Ölpest im Golf von Mexiko löste jedoch nur einen kurzfristigen und unwesentlichen Anstieg der Aktienpreise aus. Branchenkenner hatten nach der Explosion auf der Bohranlage nicht mit wirtschaftlichen Erschütterungen gerechnet - Spekulanten würden natürlich die Situation ausnutzen, um die Ölpreise hochzutreiben, was aber kein anhaltender Trend werden sollte.

Das war durchaus logisch. Erstens war Deepwater Horizon eine Test-Bohranlage, so dass ihr Verlust die kommerzielle Ölförderung kaum beeinflussen konnte. Zweitens wurden das „Tschernobyl-Syndrom" und viele andere Ängste um die Atomenergie großenteils von den Ölunternehmen geschürt. Eine umgekehrte Situation, in der eine alternative Energie die Ölbranche auf diese Weise unter Druck setzen würde, ist derzeit unvorstellbar. Die ganze Weltwirtschaft hängt mehr oder weniger von der Ölindustrie und deren Infrastruktur ab. Selbst in den USA, die als meistfortgeschrittenes Land gelten, stützt sich die Energiewirtschaft zu 85 Prozent auf die Verbrennung von Kohlenwasserstoffen.

Vielleicht wird die Umweltkatastrophe in den USA die Umsetzung eines neuen Energieprogramms (das im März 2010 präsentiert wurde), das unter anderem die Erschließung des Küstenschelfs betrifft, verschieben. Die US-Behörden wollten das aus Umweltgründen verabschiedete und seit 20 Jahren geltende Moratorium für die Erschließung des Küstenschelfs aufheben. Die Ölvorräte im Golf von Mexiko belaufen sich auf schätzungsweise 14,5 Milliarden Barrel. Ihre Erschließung könnte die Abhängigkeit der US-Wirtschaft vom Energieimport reduzieren, was allerdings für die traditionellen Energielieferanten, darunter für Russland, eine Hiobsbotschaft wäre.

Russische Beamte und Ölmanager haben in den letzten Monaten öfter erklärt, die Ausbeutung von Vorkommen vor der Pazifik-Küste und die Erschließung von neuen Energiequellen, darunter von Schiefergas, durch amerikanische Unternehmen keine große Gefahr für Russland als Energielieferanten darstellen würden. Ihre Reaktion auf dieses Problem beweist aber eher das Gegenteil. Deshalb kann man vermuten, dass die Ölpest im Golf von Mexiko in einem gewissen Sinn den Interessen Russlands dient. Wie lange wird diese Situation dauern? Denn die Amerikaner haben die Schelf-Erschließung nicht komplett aufgegeben, sondern nur die Ausstellung von neuen Bohrgenehmigungen bis September eingestellt.

Nicht weniger wichtig ist allerdings, dass die Ernennung Robert Dudleys, des einstigen Chefs der Firma TNK-BP Management (die bis 2008 die Aktiva von TNK-BP verwaltete), zum BP-Chef die weitere Kooperation zwischen den russischen und amerikanischen Partnern nicht belastet. Denn Dudley musste seinen damaligen Posten wegen eines Konflikts zwischen den russischen und britischen Aktionären verlassen. Auf Dudleys Demission bestand die russische Seite, die ihm vorwarf, nur im Interesse der britischen Aktienbesitzer zu handeln.

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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