Kultur
Russisch-Orthodoxe Kirche feiert Wiedervereinigung nach knapp 90 Jahren Trennung
Es war eine symbolische Unterzeichnung des Aktes über kanonische Gemeinschaft in der Christus-Erlöser-Kathedrale, die zu Sowjetzeiten zerstört und in den 90ern auf Verfügung des ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin wieder aufgebaut wurde.
Der Patriarch von Moskau und ganz Russland, Alexi II., und der Ersthierarch der Russisch-Orthodoxen Auslandskirche, Metropolit Lawr von Ostamerika und New York, zogen bei Glockengeläut in die Kathedrale ein.
Die Vorsteher der beiden Kirchen beteten um die Einigung. Danach verlas Protodiakon Wladimir Nasarkin den Text des Aktes.
„Christus ist unter uns, jetzt und für immer!“, riefen Alexi II. und Metropolit Lawr nach der Unterzeichnung und küssten sich brüderlich.
„Dieser Tag wird in die Geschichte unseres Volkes eingehen als Tag der Zusammenkunft der zerstreuten Kinder des Vaterlandes und der Kirche, die infolge der tragischen Ereignisse gespalten waren“, sagte Alexi II.
„Die kirchliche Spaltung und die seit der Revolution und dem Bürgerkrieg vererbte Konfrontation in der Gesellschaft wird überwunden, die Kirche gefestigt“, sagte der Patriarch.
„Die Kirche wird stärker und unser Vaterland lebt auf“, fügte er hinzu.
Der russische Präsident Wladimir Putin, der bei der Zeremonie zugegen war, gehört zu denen, die den Verhandlungsprozess zwischen den beiden Kirchen initiiert haben.
Im September 2003 hat der Präsident dem Metropoliten Lawr die Einladung Alexis II., die heimische russische Kirche zu besuchen, persönlich überreicht und ihn selbst noch nach Russland eingeladen.
„Die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit ist eine höchst wichtige Bedingung für die Wiederherstellung der verlorenen Einheit der gesamten russischen Welt, zu deren Grundlagen immer der orthodoxe Glaube zählte“, sagte Putin in seiner Rede während Zeremonie.
Nach der Unterzeichnung des historischen Dokuments führten der Patriarch und Metropolit Lawr erstmals gemeinsam einen Gottesdienst durch.
Der Gottesdienst fand genauso wie die Unterzeichnung des Aktes bei offener Königspforte statt, damit alle Versammelten sehen können, wie die Hierarchen und Geistlichen der Mutterkirche und ihres ausländischen Teils das Abendmahl erstmalig aus einem Kelch empfangen.
Zu unmittelbaren Zeugen des historischen Ereignisses wurden die Gläubigen des Moskauer Patriarchats und der Auslandskirche, die aus den verschiedensten Ecken der Welt (Amerika, Europa und Australien) angereist waren. Insgesamt kamen sieben von den 13 Erzbischöfen der Auslandskirche und mehr als die Hälfte (circa 80) der Geistlichen und Diakone zur Zeremonie.
Der unterzeichnete Akt über die kanonische Gemeinschaft, ein Anhang und andere Dokumente zur lang ersehnten Wiedervereinigung wurden von den Kommissionen des Moskauer Patriarchats und der Russischen Auslandskirche, die Ende 2003 geschaffen wurden, entwickelt.
Nach dem Dokument „bleibt die Russisch-Orthodoxe Auslandskirche ein unabdingbarer selbstverwalteter Teil der Russisch-Orthodoxen Kirche“.
Sie ist „selbständig bei Angelegenheiten der Geistlichen, bei Aufklärungs-, Verwaltungs-, Haushalts-, Eigentums- und Zivilangelegenheiten, wobei sie die kanonische Einheit mit der gesamten Russisch-Orthodoxen Kirche genießt“.
Dabei wird das Landes- und das Bischofskonzil der Russisch-Orthodoxen Kirche zur höheren kirchlichen Instanz für die Auslandskirche erhoben.
Der Ersthierarch der Auslandskirche soll durch ihren Bischofskonzil gewählt und vom Patriarch von Moskau und ganz Russland sowie der Heiligen Synode der Russisch-Orthodoxen Kirche bestätigt werden.
Die Russisch-Orthodoxe Auslandskirche spaltete sich in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von der Heimatkirche ab, als ein Teil der Geistlichen, darunter die Hierarchen, gemeinsam mit anderen Emigranten Russland verließ.
Heute zählt die Russisch-Orthodoxe Auslandskirche 13 Erzbischöfe, etwa 320 Gemeinden und mehr als 20 Klöster in verschiedenen Teilen der Welt.
Die meisten Gemeinden befinden sich in Amerika, Australien, Deutschland und einigen anderen westeuropäischen Ländern.

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