RIA Novosti

Moskauer Patriarchat sieht im Vatikan Hauptverbündeten beim Schutz moralischer Werte

13:43 23/06/2008

MOSKAU, 23. Juni (RIA Novosti). Die russisch-orthodoxe Kirche sieht im Vatikan trotz vielen ungelösten Probleme ihren Hauptverbündeten beim Schutz der christlichen moralischen Werte in der Welt von heute.

Das sagte der Vorsitzende des kirchlichen Außenamtes des Moskauer Patriarchates, Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad, in einem Interview für die offizielle Webseite der Erzbischofsversammlung der Russisch-orthodoxen Kirche.

"In diesem Sinne erscheint der Dialog mit der Römisch-katholischen Kirche als besonders aussichtsreich", sagte der Metropolit. Ihm zufolge bietet der Dialog "große Möglichkeiten für den gemeinsamen Schutz der traditionellen christlichen moralischen Werte, für den richtigen Aufbau der sozialen und der familiären Beziehungen sowie für den Schutz der Menschenrechte". "In diesen Bereichen stimmen die Positionen unserer beiden Kirchen faktisch völlig überein", sagte Metropolit Kyrill.

Er sehe die größten Bedrohungen für die christliche Weltmoral in "der Offensive der Ideologie des militanten Sekularismus" - der Verdrängung der Religion aus der öffentlichen in die private Sphäre sowie in "der massiven Liberalisierung vieler christlicher Gemeinschaften", etwa der protestantischen Kirchen, die homosexuelle Ehen segnen und notorische Homosexuelle zu Bischöfen weihen.

Metropolit Kyrill äußerte außerdem, dass es in den Beziehungen zwischen der Russisch-orthodoxen und der Römisch-katholischen Kirche immer noch ungelöste Probleme gebe. Es handele sich vor allem um den unbereinigten Konflikt zwischen den orthodoxen und den griechisch-katholischen Gläubigen (der katholischen Kirche des byzantinischen Ritus) in der Westukraine sowie um die "unberechtigte Ausdehnung der Mission" der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche auf die traditionell orthodoxen Regionen.

Eine weitere komplizierte Frage ist wie bislang die missionarische Tätigkeit einiger Vertreter der Römisch-katholischen Kirche unter den orthodoxen Gläubigen in Russland und in anderen GUS-Ländern. Für die Bereinigung dieser Probleme ist eine gemeinsame orthodox-katholische Gruppe seit dem Jahr 2004 in Russland tätig. Der Metropolit äußerte die Hoffnung, dass die Arbeit der Gruppe Früchte bringen werde.

Laut Metropolit Kyrill haben die Beziehungen des Moskauer Patriarchates zu den protestantischen Kirchen "einen komplizierteren Charakter", als mit den Katholiken.

Einerseits gebe es unter den Protestanten langjährige Dialogpartner der Russisch-orthodoxen Kirche, so die Evangelische Kirche in Deutschland (seit 1959) und die Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands (seit 1970), fuhr der Metropolit fort. Andererseits könne sich das Moskauer Patriarchat nicht mit den Tendenzen "der äußersten Liberalisierung" und mit der grundlegenden Änderung der Auffassung zu den christlichen Moralnormen abfinden, die von manchen protestantischen Gemeinden demonstriert würden, sagte der Geistliche.

Metropolit Kyrill verwies darauf, dass einige protestantische Kirchen Anfang der 2000er Jahre "von den christlichen moralischen Gesetzen, die auf der Heiligen Schrift beruhen, zugunsten der sekularistischen Stimmungen abgekommen waren und damit begonnen hatten, so genannte ‚homosexuelle Ehebündnisse' öffentlich zu segnen und notorischen Homosexuellen die Pastor- bzw. die Bischofswürde zu verleihen".

"Infolge dessen hat unsere Kirche auf Kontakte mit den Gemeinden verzichtet, die diesen bibelfeindlichen Weg gehen, - mit der Bischofskirche in den USA und der Kirche von Schweden", sagte der Vertreter des Moskauer Patriarchates.

Er äußerte sein Bedauern darüber, dass die oben genannten bibelfeindlichen Tendenzen auf immer neue protestantische Gemeinschaften im Westen übergreifen würden. "Um diesem Versuch der totalen Liberalisierung erfolgreich entgegenzuwirken, wird die Aufgabe gestellt, die Bemühungen der Orthodox-Gläubigen und der Protestanten zu vereinigen, die in ihrem Glauben und in ihrem Leben die Treue zu den evangelischen Traditionen bewahren", sagte der Metropolit.

Von diesem Standpunkt aus betrachte er die protestantischen Konfessionen in Russland und in anderen GUS-Ländern optimistisch.

Metropolit Kyrill ging auch auf "die proselytische Tätigkeit" (versuchte Bekehrung zu einer anderen Konfession) einzelner protestantischer Gemeinden in Bezug auf die Orthodoxen ein, die Konflikte auslöse.

Um dieses Problem zu bewältigen, "ist auch ein offener und beiderseits respektvoller Dialog notwendig", sagte der Metropolit.

Die Erzbischofsversammlung der Russisch-orthodoxen Kirche findet vom 24. bis 29. Juni in Moskau statt.

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