
eistliche gehen in russische Gefängnisse * Billiges Gas gegen Pipelines: Russland bietet der Ukraine Tauschhandel an * Neuer Weltraumbahnhof: Russland plant ersten Raketenstart ab 2018 * Neue Frequenzen: Russlands Militär macht Mobilfunkern Strich durch die Rechnung * Russisches Atom-U-Boot versetzt Briten in Alarm
„Nesawissimaja Gaseta": Geistliche gehen in russische Gefängnisse
Nach Angaben des Chefs der russischen Strafvollzugsbehörde, Alexander Rejmer, wird der Einsatz von Gefängnisgeistlichen erwogen. In enger Zusammenarbeit mit der Gefängnisbetreuung der Russisch-Orthodoxen Kirche werde diese Idee bereits in vier Regionen getestet, berichtet die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta" am Montag.
Die Abteilung für Gefängnisbetreuung, eine neue Einrichtung der Russisch-Orthodoxen Kirche, wurde am 5. März ins Leben gerufen. Die Abteilungsleitung übernahm Bischof Irinarch (weltlicher Name: Gresin) von Krasnogorsk, der früher in seiner Diözese in Perm in Sachen geistlicher Betreuung in Strafkolonien bereits Erfahrungen gesammelt hat.
Am 3. Juni sprach er vor Journalisten von seiner Absicht, die geistliche Betreuung in den Haftanstalten zu beginnen. Erläuternd fügte er hinzu: "Das Moskauer Patriarchat kann vorläufig keine materiellen Mittel" für diese Arbeit in den Gefängnissen bereitstellen, doch sei "die Zeit nicht mehr fern, wenn wir mit Hilfe des Staates imstande sein werden, unsere Sozialarbeit zu leisten". Vorerst "müssen wir dem Staat, den Beamten beweisen, dass wir das zu tun wissen".
Das Experiment mit Gefängnisgeistlichen in Haftanstalten und Strafkolonien läuft bereits, dabei auf Initiative der Strafvollzugsbehörde. Am Tag der Pressekonferenz des Vorsitzenden der Abteilung für geistliche Betreuung in Moskau versammelte sich die Verwaltung der Diözese von Kemerowo vollzählig zur Erörterung des Schreibens der Strafvollzugsbehörde mit der Bitte, Vorschläge zu formulieren, in welcher Form die Gefängnisgeistliche in den Strafanstalten eingesetzt werden können.
In einem Bericht des Geistlichen Gleb Kurljuta, Probst der Kirchen der betreffenden Gefängnisse, hieß es, dass die Strafvollzugsbehörde in einigen Diözesen des Landes (Saratow, Mordowien und Kamtschatka) Geistliche testweise in Besserungsanstalten schicken wolle.
Nach der Beratung beschloss die Diözese-Verwaltung, mit der materiell-technischen Versorgung bei der geistlichen Betreuung die Verwaltung der Besserungsanstalten zu beauftragen. Anders ausgedrückt: Die betreffenden Geistlichen sollen von der Strafvollzugsbehörde bezahlt werden.
Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist in den Haftanstalten bereits stark vertreten. Wie auf der Webseite der Strafvollzugsbehörde berichtet wird, gibt es bereits 523 geistliche Einrichtungen in Strafkolonien und Untersuchungsgefängnissen. Darunter seien 40 Moscheen und zwei Synagogen. Die Geistlichen der Russisch-Orthodoxen Kirche sind in den Gefängnissen eindeutig in der Mehrheit.
„Wedomosti“: Billiges Gas gegen Pipelines: Russland bietet der Ukraine Tauschhandel an
Russland hat der Ukraine ein Tauschgeschäft angeboten: Niedrige Gaspreise und stabile Gaslieferungen gegen die teilweise Übergabe des Gastransportsystems, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Montag.
Wie Gazprom-Chef Alexej Miller dem Fernsehsender Westi-24 nach den Verhandlungen mit den ukrainischen Kollegen am Freitag mitteilte, kann die Fusion des russischen Energiekonzerns mit dem ukrainischen Versorger Naftogaz einen riesigen sozialen Effekt haben. Die ukrainische Bevölkerung könne Gas zu russischen Inlandspreisen beziehen, die um 40 Prozent niedriger sind (rund 60 US-Dollar für 1000 Kubikmeter Gas). Gazprom und Naftogaz könnten zuerst ein Joint-Venture bilden, so Miller.
„Dies wäre ein wichtiger Faktor für die Vorhersagbarkeit und Stabilität der Gaslieferungen für die ukrainischen Verbraucher“, sagte Miller.
„Derzeit wird ein intensiver Dialog zur Erweiterung unserer Zusammenarbeit geführt. Wir erörtern unterschiedliche Varianten. Die wichtigste Bedingung: Sie müssen vorteilhaft sowohl für Unternehmen als auch für die Völker der beiden Länder sein“, sagte der ukrainische Energieminister Juri Bojko.
Gazprom habe der ukrainischen Seite eine Liste der Vorkommen vorgelegt, die ins Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden könnten, so Miller. Bislang wurde nicht bekannt gegeben, um welche Vorkommen es sich handelt. Betont wurde nur, dass es „Großvorkommen“ in Westsibirien und im Süden Russlands mit Vorräten von 0,8 bis eine Trillion Kubikmeter Gas sein können.
Laut einer Quelle aus dem Umfeld von Naftogaz werden ebenfalls Projekte zur Erschließung der Gasvorkommen in Astrachan (Südrussland) erörtert. Im Gegenzug wolle Gazprom die Kontrolle über die ukrainische Gaspipeline bekommen.
Laut den jetzigen Gesetzen müsse das ukrainische Gaspipelinesystem Eigentum der Ukraine bleiben, sagte Wadim Karassjow, Chef des Kiewer Instituts für globale Strategien. Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch könne zwar das Gesetz ändern (seine Partei der Regionen hat die Mehrheit im Parlament), er werde jedoch kaum diesen Schritt wagen. Dadurch könnten die Oppositionellen wieder Aufwind bekommen, so Karassjow.
Moskau habe die dringende Frage der Ukraine nach dem Gaspreis angeschnitten, setzt Karassjow fort. Die ukrainische Bevölkerung bekomme Gas zum ermäßigten Preis - für rund 100 US-Dollar. Doch gelte für die Unternehmen der Importpreis, der rund um 200 Prozent höher sei.
Eine weiterere brennende Frage ist die Stabilität der Gaslieferungen. Die Pipelines Nord Stream und South Stream sollen unter Umgehung der Ukraine verlegt werden. Dennoch wurde es bislang nicht geschafft, eine Garantie zu bekommen, dass die ukrainischen Pipelines komplett ausgelastet werden, heißt es aus dem Umfeld der ukrainischen Regierung.
Der Zusamenschluss von Gazprom und Naftogaz wurde im April vom russischen Regierungschef Wladimir Putin vorgeschlagen. Dennoch sei dies unvorteilhaft für Kiew, sagte Bogdan Sokolowski, ehemaliger Energieberater des früheren Präsidenten Viktor Juschtschenko. Russische Beamte geben zu, dass die Ukraine für 100 Prozent der Naftogaz-Aktien und das Gaspipelinesystem nur fünf Prozent am fusionierten Unternehmen bekommen werde. Die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens wäre ein Kompromiss, so Sokolowski. Moskau könne die ukrainischen Pipelines teilweise kontrollieren. Kiew bekomme im Gegenzug den Zugang zu russischen Vorkommen und eine garantiert ausgelastete Pipeline.
„Wsgljad": Neuer Weltraumbahnhof: Russland plant ersten Raketenstart ab 2018
Die erste Startanlage des russischen Weltraumbahnhofs „Wostotschny“ soll 2015 in Betrieb genommen werden, berichtete kürzlich die Online-Zeitung „Wsgljad".
Der erste Raketenstart erfolgt 2018.
Dies wurde am vergangenen Samstag bei einer Beratung mit Premier Wladimir Putin angekündigt. Der neue Weltraumbahnhof soll Russlands Status als einer der führenden High-Tech-Großmächte untermauern und außerdem die Entwicklung im Fernen Osten anspornen.
Vor der Beratung hatte man dem Regierungschef, der sich dieser Tage auf einer Fernost-Reise befindet, ein Modell des künftigen Weltraumbahnhofs präsentiert. Der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Anatoli Perminow, erläuterte, dass „Wostotschny“ zwei Startanlagen, die erforderliche Infrastruktur für die Startvorbereitung von Raketen und mehrere Montagegebäude haben würde. Außerdem wird derzeit nach seinen Worten ein Komplex für das Kosmonautentraining gebaut.
Zugleich kündigte Perminow an, dass die Fläche von „Wostotschny“ nur etwa zehn Prozent der von „Baikonur“ und etwa 30 Prozent der von „Plessezk“ ausmachen wird.
Vizepremier Sergej Iwanow sagte, dass es auf dem Gelände des künftigen Weltraumbahnhofs Raketenstartschächte gebe, die den Raketentruppen gehört haben, ergänzte er. Bisher seien von diesem Gelände vier kommerzielle Raketen gestartet worden. Zu den Faktoren für die Bestimmung des Ortes des künftigen Weltraumbahnhofes zählte Iwanow die nahe liegenden Transsibirische Eisenbahn und Autobahn Tschita-Chabarowsk und den Fluss Amur.
Der erste Startkomplex von „Wostotschny“ solle 2015 in Betrieb genommen werden, beauftragte Putin. „Bis 2011 soll die Organisations- und Verwaltungsstruktur errichtet werden. 2015 bis 2016 soll der erste Startkomplex gebaut werden. 2016 bis 2018 soll die zweite Baureihe fertig sein. 2018 bis 2020 sollen erste bemannte Raketen gestartet werden“, so der Regierungschef.
Der künftige Weltraumbahnhof wird für Starts von für verschiedene Zwecke bestimmten Raumapparaten geeignet sein, darunter von unbemannten und Frachtraumschiffen verschiedener Klassen und möglicherweise von einzelnen ISS-Modulen.
Derzeit pachtet Russland den kasachischen Weltraumbahnhof „Baikonur“. Putin stellte fest, dass Russland trotz des langfristigen (bis 2050) Kooperationsabkommens mit Kasachstan einen eigenen Weltraumbahnhof bauen sollte, der nach seinen Worten unter anderem aus Gründen der Militärsicherheit wichtig wäre.
„RBC Daily“: Neue Frequenzen: Russlands Militär macht Mobilfunkern Strich durch die Rechnung
Die Einrichtung von Testzonen für den Mobilfunk der vierten Generation in Russland wird auf unbestimmte Zeit verschoben, berichtet die Zeitung „RBC Daily“ am Montag.
Das Verteidigungsministerium, dessen Verantwortung die für den Aufbau von 4G-Netzen passenden Frequenzen obliegen, ist gegen das Projekt. Die Mobilfunkunternehmen sagen, dass das Ministerium für Kommunikation im Endeffekt völlig auf das Testen des Mobilfunks der vierten Generation verzichten könne. Das Recht auf die Tests werde dann denjenigen überlassen werden, die die Frequenzen später kommerziell nutzen sollen.
Ein Vertreter von einem der zuständigen Ressorts sagte, dass die Schaffung der Testzonen für den LTE-Standard verschoben werde. Vize-Kommunikationsminister Naum Marder hatte das am Freitag bestätigt. Dabei sagte er, dass die Frage weiter erörtert müsse.
Ein Sprecher, der der Regelungsbehörde nahe steht, sagte, dass das Verteidigungsministerium über die 4G-Tests entscheide. Das Ministerium habe bereits Anfang Sommer „Nein“ zu den Tests in den Frequenzbereichen 2,3 bis 2,4 HHz sowie 790 bis 862 MHz gesagt, weil sie teilweise militärisch genutzt werden. Seitdem sei seine Position unverändert geblieben. „Es kann sein, dass es überhaupt keine LTE-Testzonen geben wird“, sagte der Gesprächspartner.
s kann auch so kommen, dass die Unternehmen die LTE-Tests durchführen werden, die die Frequenzen im Endeffekt nutzen werden. Der Staat wird damit die unbequeme Situation vermeiden, bei der die Betreiber die Testzonen einrichten, ihr Geld dafür ausgeben und dann die Nutzungsrechte für die Frequenzen verlangen.
Bis jetzt gibt es noch keine Entscheidung darüber, wer an den Tests der vierten Generation teilnehmen werde. Zuvor hatten verschiedene Quellen berichtet, dass das Kommunikationsministerium mit Hilfe von profilierten unabhängigen Organisationen die 4G-Verbindungen testen wolle. Im Frühjahr wurde die Möglichkeit der Teilnahme einiger Mobilfunkbetreiber, darunter der drei größten – MTS, BeeLine und Megafon – sowie Tele2 an den Tests diskutiert.
Es wurde beschlossen, dass die Testzonen für die Mobilfunkverbindungen der vierten Generation außerhalb der Umgebung von Moskau und Sankt Petersburg entstehen sollen. Unter anderem befanden sich die Gebiete Kostroma, Swerdlowsk und Rostow sowie die Region Primorje auf der Liste für die LTE-Tests. LTE sollte in allen Frequenzbereichen getestet werden, die von der Internationalen Fernmeldeunion als geeignet für diesen Standard anerkannt wurden, nämlich 790-862 MHz, 700 MHz, 900-1800 MHz, 2,3-2,4 HHz und 2,5-2,6 HHz.
„Rossijskaja Gaseta": Russisches Atom-U-Boot versetzt Briten in Alarm
Britische Medien berichteten kürzlich, dass ein russisches Atom-U-Boot das britische U-Boot Vanguard mit Interkontinentalraketen Trident nachspioniert hätte, schreibt die Zeitung „Rossijskaja Gaseta" am Montag.
Die Briten behaupten, das russische U-Boot wollte die Antriebsgeräusche des britischen U-Boots aufnehmen. Sollte das gelingen, könnte das die britischen strategischen Eindämmungskräfte gefährden. Zum Glück habe die britische Jagd-U-Boot „Trafalgar“ die bösartige Mission der Russen zum Scheitern gebracht.
Bemerkenswert ist, dass sich dieser Zwischenfall bereits vor einem halben Jahr ereignet hatte, bisher aber nicht bekannt wurde. Ein weiteres interessantes Detail: Laut britischen Medien wurde im Nordatlantik unlängst die größte seit 1987 Zahl von akustischen Kontakten mit russischen U-Booten registriert.
Was passiert in Wirklichkeit? Wie man im Hauptstab der russischen Kriegsmarine sagte, geht es um planmäßige Übungen. Dass russische Atom-U-Boote immer häufiger in den Weltmeeren gesichtet werden, sei nur ein Beweis dafür, dass die russischen Kräfte allmählich wieder zu allter Stärke zurückgefunden haben. Zu lange seien die russischen U-Boote nicht unterwegs gewesen, so ein Sprecher.
Das Atom-U-Boot des Projekts 971 gehört zu U-Booten dritter Generation und ist eine verbesserte Version des Projekts 945 – des besten Mehrzweck-U-Boots vom Ende des 20. Jahrhunderts. Das U-Boot 971 ist für den Kampf gegen U-Boote aller Typen sowie gegen Flugzeugträger bestimmt. Zu den Besonderheiten dieses Modells gehört die Fähigkeit zur Aufdeckung von Spuren von atombetriebenen Über- oder Unterwasserschiffen sogar mehrere Tage nachdem das Schiff einen bestimmten Ort verlassen hat. Das wurde in den Medien bereits in den 1990er Jahren veröffentlicht. Außerdem lassen sich die U-Boote dieses Typs nur sehr schwer finden. Es ist wohl kein Zufall, dass sie nach der Nato-Klassifikation als „Hai“ bezeichnet sind.
Das Auftauchen eines russischen U-Boots nahe der schottischen Küste, falls es sich dort tatsächlich befand, hatte nach Einschätzung russischer Experten nichts mit der Aufklärung zu tun. Höchstwahrscheinlich wurde dabei nur die Jagd nach einem strategischen U-Boot geübt. Das sei zwar riskant, aber durchaus üblich, so ein Experte.
Für Aufklärungszwecke wurden in Russland längst spezielle U-Boote gebaut, die für Radare kaum sichtbar sind. Was die „einmaligen Geräusche“ der Kampf-U-Boote angeht, so wurden sie längst sowohl von russischen als auch von Nato-Experten aufgenommen.
Angesichts dessen kann man mit Sicherheit sagen: Der sich vor mehreren Monaten ereignete und erst kürzlich veröffentlichte Zwischenfall kann nicht als Beweis für eine Anspannung zwischen Russland und der Nato bewertet werden.
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