
Während Libyen in Chaos und Plünderungen versinkt, wächst bei Atomexperten die Sorge um Spaltmaterial aus einem libyschen Forschungsreaktor.
Olli Heinonen, der frühere Vizechef der internationalen Atomenergiebehörde IAEA, hat die libyschen Rebellen, die sich kurz vor dem Sieg über Muammar al-Gaddafi sehen, aufgerufen, die Sicherheit des Atommaterials zu gewährleisten.
In Tajoura nahe Tripolis gebe es ein Forschungs-Zentrum, in dem Libyen Uran angereichert habe, teilte Heinonen nach Angaben der Agentur Reuters mit. Der Experte befürchtet, dass eine Ausplünderung der Anlage den Bau von schmutzigen Bomben mit Atom- oder Chemieladung möglich machen könnte.
Obwohl hochradioaktives Uran bereits 2009 aus Libyen abtransportiert worden sei, „ist die Situation in Tajoura nicht ganz klar“, sagte Heinonen. Das zurückgebliebene Material könnte in falsche Hände gelangen und als Komponente für schmutzige Bomben genutzt werden.
In Libyen liefern sich die Gaddafi-Truppen seit Februar erbitterte Gefechte mit der Opposition, die den langjährigen Herrscher stürzen will und von westlichen Staaten militärisch unterstützt wird.
Am Montag konnten die Rebellen weite Teile der Hauptstadt Tripolis unter ihre Kontrolle bringen. Am Dienstag verkündeten sie die Einnahme der befestigen Gaddafi-Residenz. Journalisten berichten von Chaos und Plünderungen.