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Russische Militärexperten halten Libyen-Szenario in Syrien für möglich

Thema: Unruhen in Syrien

Unruhen in Syrien
19:09 08/02/2012
MOSKAU, 08. Februar (RIA Novosti).

Trotz des russisch-chinesischen UN-Vetos halten Militärexperten in Moskau ein internationales militärisches Eingreifen in Syrien, wo bei den andauernden Krawallen bereits Tausende Menschen getötet worden sind, für möglich. Den Experten zufolge könnten die Ereignisse in Syrien sich nach dem libyschen Szenario abspielen. 

„Der Sturz von Präsident Baschar al-Assad ist eine der militärpolitischen Prioritäten der USA“, sagte Igor Korotschenko, Vorsitzender des Gesellschaftlichen Beirats des russischen Verteidigungsministeriums, am Mittwoch zu RIA Novosti. Dass ausländische Diplomaten Damaskus verlassen, sei ein Anzeichen einer möglichen militärischen Lösung des Syrien-Problems.

Korotschenko mutmaßte, dass die Nato im Fall eines Krieges die bewaffneten Rebellen in Syrien sowie die Streitkräfte der Arabischen Liga benutzen würde, statt selber gegen die syrische Armee zu Felde zu ziehen. Die USA würden einen Plan ausarbeiten und diesen von anderen Staaten umsetzen lassen.

Zudem könnten die USA eine Flugsperrzone über Syrien verhängen, um der Nato die Kontrolle über den syrischen Luftraum zu ermöglichen. Wenn die syrische Armee Widerstand leisten sollte, würde die Koalition Luftangriffe auf Flughäfen und Luftabwehr-Stellungen des Landes fliegen, sagte der Experte.

Auch der Präsident der Moskauer Akademie für geopolitische Probleme, Leonid Iwaschow, glaubt, dass die USA in Syrien nach dem gleichen Szenario wie seinerzeit in Jugoslawien, dem Irak und Libyen vorgehen würden. Die USA wollten ihre Ziele „mit fremden Händen“ erreichen, sagte Iwaschow. Hierfür würden sie die innersyrischen Kräfte, vor allem die Opposition ausnutzen.

Ihm pflichtete der russische Ex-Verteidigungsminister Igor Rodionow bei: „Einen direkten Überfall der Nato auf Baschar al-Assad wird es nicht geben.“ Stattdessen könnten die Amerikaner jene Gruppen, die gegen die Regierungstruppen kämpfen, massiv mit Waffen unterstützen.

In Syrien dauern seit März gewaltsame Proteste gegen Präsident Assad an, der zwar Reformen angekündigt hat, jedoch Gewalt gegen die Gegner einsetzt. Laut UN-Angaben sind bei den Gefechten bereits 5000 Menschen getötet worden. Nach Darstellung der syrischen Behörden kämpft die Armee gegen gut bewaffnete Extremisten. Westliche Staaten und die Arabische Liga verhängten Sanktionen gegen Syrien.

Russland und China hatten am Samstag einen von Marokko und anderen Staaten vorgelegten Resolutionsentwurf zu Syrien mit einem Veto blockiert. Dies war bereits die zweite Syrien-Resolution, die im Weltsicherheitsrat am Widerstand Russlands und Chinas scheiterte. Im Oktober hatten beide Staaten schon einmal einen Resolutionsentwurf abgelehnt. Russland begründete damals sein Veto mit dem Wunsch, das „libysche Szenario" in Syrien zu verhindern, weil der Resolutionsentwurf ein militärisches Eingreifen in Syrien nicht ausschloss.

Am gestrigen Dienstag berieten der russische Außenminister Sergej Lawrow und Auslandsgeheimdienstchef Michail Fradkow in Damaskus mit Präsident Baschar al-Assad über eine friedliche Beilegung der Krise. Zuvor hatte Lawrow gesagt, Moskau würde sein Bestes tun, um es nicht zu einem internationalen Eingreifen in Syrien kommen zu lassen.

Europäische Staaten ziehen unterdessen ihre Botschafter aus Damaskus zu Konsultationen ab. Auch die Arabische Liga forderte ihre Beobachter auf, Syrien zu verlassen. Die Beobachter waren im Dezember mit dem Auftrag eingesetzt worden, den Abzug der Armee aus den Städten und die Freilassung von Gefangenen zu überwachen. Experten werten den Abzug der Botschafter als Anzeichen eines bevorstehenden Militäreinsatzes gegen Syrien.

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