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Attentat auf Separatisten: Wird Quebec abtrünnig? – „Moskowski Komsomolez“

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Marois’ Rede in Montreal (translation)Attentat in Montreal
14:48 06/09/2012
MOSKAU, 06. September (RIA Novosti).

Mit einer Tragödie hat der Auftritt der Vorsitzenden der separatistischen Partei Parti Quebecois (PQ), Pauline Marois, nach der gewonnenen Regionalwahl in der französischsprachigen Provinz Quebec geendet, schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Donnerstag.

Während Marois’ Rede in einer Konzerthalle in Montreal begann ein Verbrecher eine Schießerei und tötete einen Menschen. Ein anderer wurde schwer verletzt. „Die Englischsprachigen wachen auf!“ schrie er, nachdem die Polizei ihn gefasst hatte.

Die Parti Quebecois ist wegen ihrer Aufrufe zum Austritt der Provinz aus Kanada bekannt. In den vergangenen Jahren hat es bereits zwei entsprechende Volksentscheide gegeben, doch niemals wurde diese Idee von der Mehrheit befürwortet. Auch der jetzige Wahlsieg der Separatisten war nicht sehr überzeugend: Sie erhielten keine Parlamentsmehrheit.

Sind die Separatisten in der Lage, mit ihren politischen Gegnern produktiv zusammenzuarbeiten? Ist die Abtrennung der französischsprachigen Provinz von Kanada realistisch? Und welche Folgen könnten die tragischen Schüsse in Montreal haben?

Die russische Kanada-Expertin Jelena Komkowa hat in einem Interview mit der „Moskowski Komsomolez“ ihre Meinung zu diesen und anderen Fragen geäußert.

„Das Problem Nummer eins in Quebec ist die Wirtschaft (die Schulden der Provinz belaufen sich auf 186 Milliarden US-Dollar)“, stellte sie fest. „Bei Wahlen sind aber separatistische Stimmungen spürbar. Wir sehen, wie viele Stimmen die Partei von Pauline Marois erhalten hat. Die linke Partei „Solidarisches Quebec“ wurde viertstärkste Kraft. Die meisten Einwohner haben aber für die Liberalen gestimmt, die gegen die Abtrennung von Kanada sind“, so die Expertin.

Zum Thema Koalitionsbildung unter Beteiligung der Separatisten zeigte sich Komkowa eher skeptisch.

„Minderheitsregierungen, die weniger als die Hälfte der Parlamentsstimmen haben, halten sich nicht besonders lange. Möglicherweise findet in Quebec bald eine neue Wahl statt. Die Minderheitsregierung hat zu wenig Stimmen, um ihre Entscheidungen voranzubringen, und deshalb braucht sie die Unterstützung anderer Parteien. Pauline Marois muss jetzt viel manövrieren, aber sie ist eine erfahrene Politikerin und deshalb auf eine solche Entwicklung der Situation gefasst.“

Die Expertin verwies darauf, dass Quebec formell dem kanadischen Grundgesetz nicht unterstellt sei, weil die Provinz die Verfassungsakte von 1982 nicht unterzeichnet habe. Quebec verlange einen Sonderstatus gegenüber den neun englischsprachigen Provinzen und habe auch gewisse Erfolge dabei gehabt, betonte Komkowa. So habe die Provinz Sonderrechte auf die Förderung der französischen Sprache und verfüge über ihre eigene Polizei. Außerdem dürfe Quebec die Steuern selbst einziehen. „Wahrscheinlich wird Marois weitere Rechte für ihre Provinz verlangen“, vermutet die Kanada-Kennerin.

In Bezug auf die Schießerei bei der Siegesfeier der Separatisten vermutete sie, dass es sich um einen Geisteskranken handle. „Die Einwohner Quebecs sind gewöhnlich friedlich und halten nichts von terroristischen Ideen. Ich denke nicht, dass es deswegen zu einer Eskalation zwischen den französisch- und englischsprachigen Kanadiern kommen wird. Im Mittelpunkt stehen andere Fragen: Wer das Premiersamt in der neuen Regierung übernimmt und ob es keine Investitionsflucht aus Quebec gibt“, so die Expertin.

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