
MOSKAU, 12. Juli (RIA Novosti). Um Wladimir Putins Nachfolge wetteifern offen die beiden Ersten Vizepremier Sergej Iwanow und Dmitri Medwedew.
Die russischen Politologen glauben jedoch nicht an ein demokratisches Szenario des Präsidenten-Wahlrennens: Dies würde den Interessen der höchsten Kreml-Beamtengruppe widersprechen, die heute die Finanzströme und die Wirtschaftsressourcen des Landes kontrollieren, schreibt Alexander Rahr, Programmdirektor Russland/Eurasien der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, am Donnerstag in der „Nesawissimaja Gaseta“.
Präsident Putin könnte einen dritten Kronprinzen aus dem Ärmel ziehen, ihn zum Regierungschef machen und zu seinem Favoriten erklären. Diese Variante könnte aktuell sein, wenn Putin für eine Amtsperiode aussetzt, um sich 2012 wieder wählen zu lassen.
Eine interessante Besonderheit des russischen Präsidenten-Wahlkampfs besteht allerdings darin, dass die Beobachter kaum Aufmerksamkeit auf den möglichen Nachfolger richten, sondern sich mehr dafür interessieren, welches Amt Putin anschließend übernimmt. Die Liste der möglichen Varianten wächst mit jedem Tag.
Es würde sich lohnen, der wichtigsten Schöpfung Wladimir Putins in der Modernisierungsphase des Landes Aufmerksamkeit zu schenken, worauf er viel mehr schmerzlicher verzichten würde als auf die Präsidentschaft, so der Experte. Während seiner Präsidentschaft gelang es Putin nicht, die GUS-Länder zu reintegrieren. Der einheitliche Wirtschaftsraum bleibt eine Fiktion. Auch das Verteidigungsbündnis schließt nur Russland und Zentralasien zusammen, wie das bereits unter Boris Jelzin der Fall war. Was Putin aber wirklich wiederherzustellen gelang, ist die Macht des ehemaligen Energiekomplexes der UdSSR. Vor den Augen der Welt entsteht ein mächtiges Gas-Kartell, das schon bald mit dem arabischen Ölkartell wird konkurrieren können. In der neuen Weltordnung, in der der Faktor der Energieressourcen zum wichtigsten geworden ist, würde eine Gas-OPEC weiterhin zur Wiederherstellung Russlands als einer globalen Weltmacht beitragen. Der zukünftige Chef der Gas-OPEC würde mit dem Konzern Gasprom ein überaus wirksames Instrument in die Hände bekommen.