Russland
Umfrage: Russen sehen Putin als den wahren Staatschef - "Gazeta.Ru"
Allerdings sehen die Russen nur Wladimir Putin auf dem Posten des Präsidenten.
Für die Verlängerung der Amtsperiode des Präsidenten von vier auf sechs Jahre sprachen sich 60 Prozent, dagegen sind 26 Prozent. 14 Prozent hatten Schwierigkeiten bei der Beantwortung.
2002 standen 48 Prozent der vom Lewada-Zentrum befragten Wähler positiv zur Verlängerung der Amtszeit des Präsidenten auf sieben Jahre, zwei Jahre später waren es 46 Prozent und nach einem weiteren Jahr 41 Prozent. Eine Wende in der Tendenz trat erst ein, als Putin kurz vor seinem Amtsende stand: Im Oktober 2007 waren 55 Prozent mit der Verlängerung der Präsidentschaft einverstanden.
Die Soziologen sind überzeugt: Die Russen verstehen die Verlängerung der Amtsperiode als eine Chance für Putin, daher auch der Anstieg der Anhänger einer Verfassungsänderung. "Die formale Übertragung der Macht von Putin auf Medwedew hat nichts verändert", so Alexej Lewinson vom Lewada-Zentrum, das die Umfrage durchgeführt hatte.
Die Russen seien nach wie vor der Meinung, dass das Land von Putin geleitet wird, der den Sessel des Präsidenten mit dem des Premiers ausgetauscht hat: Mehr als die Hälfte der Befragten seien sich sicher, dass "die Macht dem Premier oder Putin und Medwedew zusammen gehört".
"Nach unseren Beobachtungen ist die Übertragung des symbolischen Kapitals von Putin auf Medwedew nahezu nicht geschehen", setzt Lewinson fort. "Auf dem Posten des Premiers behält Putin nach wie vor sein 'Präsidenten-Rating' bei, obwohl vor 2008 alle Experten sagten, das Amt des Regierungschefs sei ein technisches, das der Arbeit eines Hofmeisters entspricht, und niemandem werde es gelingen, in diesem Amt lange Zeit populär zu bleiben."
"Während der ganzen Amtsperiode Putins war in der öffentlichen Meinung ein wahres Drama zu beobachten. Für die meisten Russen war die Unveränderlichkeit der Verfassung ein Unterpfand der Stabilität und sozusagen der Respektabilität des Staates. Zugleich sprachen beinahe ebenso viele Wähler von ihrer Bereitschaft, Putin die Möglichkeit zu einer dritten Amtsperiode zu geben - in Verletzung der bestehenden Verfassung. Das gesellschaftliche Bewusstsein war praktisch in einer Sackgasse geraten, und die von Putin vorgeschlagene Variante - Postentausch - hat allen gut gefallen."
Dem Soziologen zufolge hat Medwedew in seiner Botschaft an die Nation "selbst zu verstehen gegeben, dass die Verlängerung der Amtsperiode ihn nicht betreffe, auf jeden Fall nicht in der ersten Amtsperiode als Präsident". "Hätte der Präsident eindeutig gesagt, dass er eine zweite, am besten sechsjährige Amtsperiode akzeptiere, so hätte diese Idee bei den Russen eine solche Unterstützung nicht gefunden", nimmt Lewinson an.

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