Russland
Kampf dem Wodka-Tod: Russland plant neue Anti-Alkohol-Kampagne
Thema: Moskau sagt Trunksucht erneut Krieg an
Die Anti-Alkohol-Kampagne der 80er Jahre habe innerhalb von fünf Jahren die Sterblichkeitsrate stark unten gedrückt und eine Million Menschen vor dem Tod gerettet. Deshalb sei eine neue Kampagne notwendig, sagte Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa am Mittwoch in einer Besprechung mit Staatspräsident Dmitri Medwedew, die der Bekämpfung des um sich greifenden Alkoholismus im Lande gewidmet war. Die Ministerin rief auf, schon in diesem Jahr eine neue Anti-Alkohol-Politik zu konzipieren, die neben PR-Aktionen auch Steuer- und andere Komponenten umfassen soll.
Ihr zufolge trinken die Russen pro Kopf umgerechnet 18 Liter reinen Alkohol im Jahr. Rund 76 Prozent konsumieren regelmäßig Bier. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der Verbrauch von mehr als acht Liter reinen Alkohols im Jahr lebensgefährlich. Ein jedes Liter über dieser Grenze verkürzt das Leben eines Mannes um elf und das einer Frau um vier Monate.
Präsident Medwedew bezeichnete den Alkoholismus als nationale Katastrophe. Die Regierung habe in den letzten Jahren mehrere Schritte zur Bekämpfung des übermäßigen Alkoholverbrauchs unternommen, unter anderem die Auflagen für Produzenten und Verkäufer sowie Strafen für angetrunkene Autofahrer deutlich verschärft. Doch diese Maßnahmen hätten so gut wie keine Wirkung gehabt.
Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg sieht der Präsident in der Bekämpfung der Armut. „In einem armen Land lässt sich die Alkoholsucht nicht bekämpfen.“ Zugleich seien aber weitere Restriktionen, Aufklärung und Anpreisung für eine gesunde Lebensweise notwendig. Die Erhöhung der Lebensqualität allein führe nicht automatisch zum niedrigeren Alkoholkonsum, konstatierte der Präsident. Zur Begründung verwies er darauf, dass der Alkoholverbrauch in Russland in den 90er Jahren niedriger, obwohl die Lebensqualität schlechter gewesen war.

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