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Von Finanzen und Geld verstehen die Russen ziemlich wenig - „Profil“

13:30 26/07/2010

Das mangelhafte Finanzwissen in Russland ist ebenso akut wie einst der Analphabetismus in der Sowjetunion, schreibt am Montag die russische Zeitschrift „Profil“.

MOSKAU, 26. Juli (RIA Novosti). Das mangelhafte Finanzwissen in Russland ist ebenso akut wie einst der Analphabetismus in der Sowjetunion, schreibt am Montag die russische Zeitschrift „Profil“.

Das Finanzministerium hatte bereits 2007 verlangt, die finanzielle Kompetenz mit einem Sonderprogramm zu fördern. Doch bislang beschränkt sich alles auf Berichte der Finanzstrukturen, welche Dienstleistungen sie anbieten und welchen Nutzen aus diesen Dienstleistungen gezogen werden können. Anders gesagt: Es gibt gegenwärtig mehr Werbung als Bildung. Dabei besteht finanzielle Kompetenz nicht in Informationen über einzelne Produkte. Die wichtigste Aufgabe ist, dass die Bürger von den Möglichkeiten, die die Finanzgesellschaften und Banken bieten, bewusst und verantwortlich Gebrauch machen.

Bislang sieht die Situation so aus. Zuerst werden die Menschen vom leichten Zugriff zum Geld geblendet und machen Schulden, ohne nachzudenken, wie sie diese zurückzahlen sollen. Oder sie investieren Geld, wissen aber nichts über Investitionsfonds und woher die Banken das Geld für die Auszahlung der offensichtlich überhöhten Zinssätze nehmen werden. Wenn es dann Probleme gibt, geben die Kunden den Finanzfachleuten die Schuld dafür. Das Vertrauen gegenüber den Finanzinstitutionen schwindet, die Schulden wachsen, und die negative Erfahrung wird an die heranwachsende Generation weitergereicht. Im Endeffekt ziehen es sehr viele Russen vor, so wenig wie möglich zu finanziellen Dienstleistungen zu greifen. Stattdessen orientieren sie sich an primitiven „Strategien“. Beim ersten Anzeichen von wirtschaftlichen Turbulenzen setzt eine eindeutige Reaktion ein: Die Ersparnisse werden sofort in Bargeld, dann in ausländische Währungen gewechselt. Anschließend warten die Anleger, wie es weiter geht.

Aus staatlicher Sicht stellt das schlechte Finanzwissen der Bevölkerung ein Hindernis für die Entwicklung der Finanzindustrie dar. Es schränkt auch die Möglichkeiten und die Effizienz des Verbraucherschutzes ein und behindert den Übergang zum Rentensystem mit privater Beteiligung. Außerdem greift ein großer Teil der Verbraucher wegen mangelndem Wissen oder nach einer Enttäuschung durch nicht ganz hehre Finanzinstitutionen zu halblegalen Mitteln. Sie verpfänden ihre Autos und Wohnungen bei Wucherern, statt bei Banken Kredite für die Entwicklung ihrer Unternehmen zu nehmen.

Während der jüngsten Krise haben die Behörden eine gute Strategie gewählt. Der Staat hat direkt allen klar machen können, wie er das Geld der Bevölkerung schützen will. Mit positiven Folgen: Es gab keine panische Flucht der Anleger, die bestimmt auch ziemlich erfolgreiche Banken in den Abgrund gerissen hätte. Doch auch diese Maßnahmen können kaum als Schritt zur Erhöhung der finanziellen Kompetenz der Bevölkerung gelten. Die Situation ist eher umgekehrt: Die Maßnahmen wurden wegen der finanziellen Inkompetenz der Menschen getroffen.

Daraus kann nur ein Schluss folgen: Der Staat muss die finanzielle Kultur in einem einheitlichen System fördern. Offensichtlich müssen die ersten Kenntnisse schon in der Schule vermittelt werden.

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