
Wladimir Putin schlägt vor, eine Liste von 100 Büchern zusammen zu stellen, die jeder russische Schüler zu lesen hat. In seinem am Montag in der Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ geht der Premier und Präsidentschaftskandidat auf Probleme der Nationalitätenpolitik und der Rolle der Kultur bei der Bewältigung dieser Probleme ein.
„Der Staat ist verpflichtet und berechtigt, sich um die Lösung sozialer und gesellschaftlicher Aufgaben zu bemühen, darunter um die Herausbildung einer Weltanschauung, die die Nation zusammen hält“, so Putin.
Für diese Ziele sollen auch Fernsehen, Film, Internet und Massenkultur insgesamt eingesetzt werden, fügt er hinzu. „Erinnert sei daran, dass die Amerikaner mit Hilfe von Hollywood das Bewusstsein von mehreren Generationen geprägt haben“, stellt der Präsidentschaftsbewerber fest. „Dabei wurden bei weitem nicht die schlechtesten Werte hinsichtlich der nationalen Interessen und der gesellschaftlichen Moral propagiert. Hier kann man was lernen.“
Zugleich betont Putin, dass dabei von Zensur und von einer Einschränkung der Schaffensfreiheit keine Rede sei. „Die Aufgabe des Bildungswesens besteht darin, einem jeden den absolut obligatorischen Umfang an humanitärem Wissen zu vermitteln, der die Grundlage der Selbstidentifizierung eines Volkes darstellt. In erster Linie muss es um eine Verstärkung der Rolle solcher Fächer wie russische Sprache, russische Literatur und russische Geschichte im Bildungsprozess gehen – „natürlich im Kontext des gesamten Reichtums der nationalen Ideen und Kulturen“.
„Wir sind eine polyethnische Gesellschaft, zugleich aber ein einheitliches Volk“, stellt der Premier und Präsidentschaftskandidat fest. Dies biete zwar kolossale Entwicklungsmöglichkeiten, zugleich verliere aber die Gesellschaft ihre Kraft und ihre Festigkeit, wenn sie von „Bazillen des Nationalismus befallen wird“.
Putin äußert die Zuversicht, dass es Russland gelingen wird, eine harmonische Entwicklung seiner polykulturellen Gemeinschaft zu gewährleisten. „Die Sprache und die Kultur sollen die russischen Armenier, die russischen Aserbaidschaner, die Russlanddeutschen und die russischen Tataren zusammenhalten“, betont er. „Sie sollen diese zu einem solchen Typ des Staates und der Zivilisation zusammenhalten, in dem es keine nationalen Minderheiten gibt.“
Mit diesem programmatischen Artikel setzt Putin eine Serie von Beiträgen fort, die eine Art Einleitung zu seinem Wahlprogramm darstellen. Die Präsidentenwahlen sind für den 4. März angesetzt.