
MOSKAU, 11. Dezember (RIA Novosti). Das Wetter im mittleren Streifen Russlands schlägt alle Rekorde. Mächtige atlantische Zyklonen versperren der arktischen Kälte den Weg.
In Moskau übersteigen die Lufttemperaturen die Norm durchschnittlich um 10 Grad. Der absolute Rekord war am 7. Dezember: Die durchschnittliche Temperatur erreichte 7,5 Grad C. Unter den Wetteranomalien leiden Menschen, Tiere, Pflanzen und - das Business.
Bei den Menschen verursacht der Mangel an Licht und Farben Depressionen. Die Sonne ist beinahe ständig hinter Wolken versteckt und dunkel wird es zu dieser Jahreszeit in Moskau bereits um 16.00 Uhr. Die Psychologen raten dazu, nicht an Beleuchtung zu sparen, die üblichen Fenstervorhänge durch gelbe oder orangerote zu ersetzen sowie farbenfrohe, helle Kleidung zu tragen. Andererseits ist der Mensch nie zufrieden: Im vorjährigen anomal kalten Winter freute der Frost lediglich 11 Prozent der Russen, während sich die Stimmung von 42 Prozent drastisch verschlechterte.
Der Biorhythmus der Tiere im hauptstädtischen Zoo ist gestört. Die Braun- und die Himalaja-Bären sind nicht in den Winterschlaf gefallen, obwohl sie es bereits im November hätten tun sollen, und die Schwimmvögel haben die Saison verwechselt und bereiten sich auf die Frühjahrshochzeit vor. Wie Igor Musytschenko, stellvertretender Direktor des Zoos, der Moskauer Zeitung "Iswestija" erzählte, "musste zusätzliches Futter für die Bären gekauft werden". In der Natur hat leider niemand für zusätzliche Nahrung für diese Tiere gesorgt und auch ihre üblichen "Schlafstellen" sind im Regen nass geworden. Fachleute befürchten, dass die Bären ihren Fettvorrat vor der Zeit verausgaben, früher als sonst erwachen und zu ruhelosen, hungrigen und gefährlichen "Schatuns" werden können.
"Die anomale Wärme mit einer Temperaturerhöhung von bis zu 7 oder 8 Grad förderte den Wuchs der Wintersaat im Westen des Nordwestlichen und dem größeren Teil des Zentralen Bezirks", sagte die führende Meteorologin von Gidrometzentr (meteorologisches Amt Russlands) Tatjana Krepostnowa. "Die Pflanzen müssen unter Schnee liegen und kämpfen, sie sind aber bereits in einem entspannten Zustand und beginnen zu wachsen. Falls Frost ohne Schnee kommt, können sie eingehen."
Die Erwärmung bringt die Besitzer von Eisbahnen und von Berghotels für Skiläufer um ihre Gewinne. Übrigens beschwerten sie sich den ganzen vorjährigen Winter über die unglaubliche Kälte, welche die Kunden abschreckte.
Dafür ist der schneelose Dezember ein Geschenk für die Straßendienste: Die Schneeräumtechnik steht in den Garagen, die Reagenzien zur Bekämpfung von Glatteis werden eingespart.
Das Jahr 2005 war für Russland insgesamt sehr warm. Die Anomalie der jahresdurchschnittlichen Lufttemperatur, die auf das Mittel für Russlands Territorium gebracht wurde, lag bei 1,6 Grad C. Das ist der zweithöchste Wert für die Zeit seit 1936.
Das Jahr 2005 war rekordmäßig, was die Zahl der gefährlichen Witterungserscheinungen der letzten 15 Jahre betrifft. Im Laufe des Jahres wurden auf Russlands Territorium 361 Fälle von gefährlichen hydrometeorologischen Erscheinungen registriert, die der Wirtschaft Schaden zufügten (2004 waren es 310).