
Antibiotika sollen durch Silber ersetzt werden/Tomograph für Erkundung der Erde/Wassertropfen für Löschen von Bränden/Wer hat mehr Gastfreundschaft, die Russen oder die Deutschen?
MOSKAU, 17. Mai (RIA Novosti)
Antibiotika sollen durch Silber ersetzt werden
Sibirische Wissenschaftler haben die seit uralten Zeiten bekannten heilenden Eigenschaften von Silber mit jüngsten nanotechnologischen Errungenschaften kombiniert. Die neue Methode wurde von einer Gruppe von Wissenschaftlern im staatlichen Forschungszentrum für Virusologie und Biotechnologie "Vektor" und in einigen anderen sibirischen Forschungseinrichtungen im Kontakt mit Fachleuten der Nationalen Mexikanischen Universität erfunden.
Nanoteilchen von Silber brechen die Membrane von Krankheitserregern buchstäblich auf. Dabei sind schwindend kleine Silberdosen für Bakterien und Viren tödlich, stellen für den Menschen aber keine Gefahr dar. Aber das ist nicht das Wichtigste. Bekanntlich müssen die Mediziner immer neue Antibiotika zur Bekämpfung der Erreger entwickeln, weil diese sich immer wieder anpassen und Immunität gegen alte Präparate entwickeln. Aber die Mikroorganismen können nicht gegen Silber immun werden.
Zu ihrem Ziel wird die "silberne Kugel" durch Immunglobuline befördert. Bei den Immunglobulinen handelt es sich um Antikörper, die in der Lage sind, fremde Agenten im Organismus ausfindig zu machen und sie anzugreifen. Die Infektion kann diesem Tandem nicht standhalten.
Bislang wurden in Sibirien silberhaltige Nanopräparate für die Veterinärmedizin entwickelt. Nach Worten des Chefchirurgen des Gebietes Nowosibirsk, Professor Jewgeni Blagitko, wurden silberhaltige Salben und Gele bei der Behandlung von trophischen Geschwüren und Eiterwunden erfolgreich erprobt, die nicht mit anderen Methoden geheilt werden können.
Dreidimensionaler Tomograph für Erkundung der Erde
Fachleute des Zentrums für geoelektromagnetische Foschung des Instituts für Physik der Erde der Russischen Akademie der Wissenschaften haben eine neue Richtung bei der Erkundung des Erdinneren vorgeschlagen. Es geht um die dreidimensionale elektromagnetische Tomographie. Dabei werden Daten erfasst, die auf der Erdoberfläche über dem zu erkundenden Objekt gewonnen werden.
Das Zentrum verfügt über eine Methodologie zur Auswertung elektromagnetischer Daten, die weltweit zu den am fortgeschrittensten zählt. Mit dieser Methodologie konnten ein dreidimensionales Modell der Minami-Kayabe-Zone im Raum der japanischen Insel Hokkaido und die besten Stellen für das Niederbringen von Erkundungsbohrungen bestimmt werden. Dadurch konnten die Kosten deutlich gesenkt werden. Darüber hinaus kann mit dieser Methode das Potenzial der Erdwärme-Ressourcen sowohl vor Beginn der Förderarbeiten an einem Vorkommen als auch während der Erschließung präziser eingeschätzt werden.
Die Tomographie der Erde ist bei der Suche nach Öl- und Gasfeldern unabdingbar. Das Zentrum setzt diese Methode an aussichtsreichen Lagerstätten in Ostsibirien ein.
Mit dieser prinzipiell neuen Methode konnten zum Beispiel das erste dreidimensionale Modell der Zone der Subduktion (Abtauchen einer ozeanischen Erdplatte in eine kontinentale Platte) der Platte Juan de Fuca am Westrand Nordamerikas oder ein Modell der Insel Tasmanien (Australien) erstellt werden. Das Zentrum nimmt aktiv an groß angelegten europäischen Programmen zum Aufbau von Modellen der tiefen Struktur in der transeuropäischen Bruchzone in Pommern an der Grenze zwischen Deutschland und Polen (Projekt EMTESZ) wie auch des Baltischen Schildes (Projekt BEAR) teil.
Im Zentrum wurde ein kontaktloses elektromechanisches Geothermometer entwickelt. Das Gerät eignet sich für die Messung von Temperaturen in Bohrungen, insbesondere in Abschnitten mit extrem komplizierten Verhältnissen, unmittelbar von der Erdoberfläche.
Die dreidimensionale Tomographie hilft bei der Einschätzung von Risiken natürlicher oder technischer Katastrophen. Die mit ihrer Hilfe erstellten Modelle der Vulkane Elbrus (Nordkaukasus), Kilauea (Hawaii) und Komagatake (Hokkaido/Japan) halfen, Bereiche mit Magma, seinen Zustand und mögliche Kanäle für seinen Austritt auf die Oberfläche zu ermitteln. Vor kurzem hatten Fachleute des Zentrums ein umfassendes Modell eines großen seismisch aktiven Territoriums im nördlichen Teil des Tienschan-Gebirges aufgebaut und mit seiner Hilfe besonders wahrscheinliche Bebenherde ermittelt.
Wassertropfen für Löschen von Bränden
Die Effektivität dieser von russischen Wissenschaftlern vorgeschlagenen Methode zum Löschen von Bränden ist um ein Mehrfaches höher als bei konventionellen Methoden. Am besten wäre, die gesamte Brandfläche auf einmal vom Sauerstoff abzuschneiden. Etwa wie in einer Science-Fiction-Novelle, als aus einer großen Wolke über dem Brandherd das gesamte Wasser niederprasselte.
Eine ähnliche Idee wurde von Kernphysikern der Forschungsinstituts für Experimentalphysik in Sarow und ihren Kollegen aus der Staatlichen St. Petersburger Polytechnischen Universität vorgeschlagen. Der Sinn der Methode besteht darin, dass über dem Brandherd eine immense Zahl von Wassertropfen versprüht wird. Da das Volumen einer solchen Wolke um ein Mehrfaches größer ist, als beim Wasserstrahl derselben Masse, ist auch der Löscheffekt entsprechend besser.
Ein mathematisches Modell des Brandlöschens mit Hilfe einer Wassertropfen-Wolke wurde bereits erstellt. Gelöst wurde auch das Problem, wie diese Wolke zum Brandherd gebracht werden kann, ohne dass die Tropfen verdampfen. Die Wissenschaftler schlugen eine Methode vor, die Tropfen durch Konvektionsströme in den Brandherd einsaugen zu lassen, solange sie noch nicht verdampft sind.
Demnächst soll dieses Modell erprobt werden.
Wer hat mehr Gastfreundschaft, die Russen oder die Deutschen?
Psychologen aus dem Institut für Ethnologie und Anthropologie der Russischen Akademie der Wissenschaften und des Instituts für Tourismus und Gastfreundschaft haben Traditionen in Russland und Deutschland verglichen. Das Resultat war eine Überraschung.
Historische Analysen führen vor Augen, dass die beiden Völker etwa ähnliche Traditionen beim Empfang von Gästen haben. Die Deutschen wie die Russen hatten immer viel Feste - Familien-, Kirchen- oder öffentliche. Dabei feiern Vertreter beider Völker ihre Feste an einer Tafel mit ausgiebigem Essen. In Russland und in Deutschland geht einem Fest eine gründliche Vorbereitung voraus. Die Gastfreundschaft erfüllte wichtige soziale Funktionen.
Es gibt aber auch Unterschiede. Für die Deutschen ist die Teilnahme von Kindern an solchen Veranstaltungen wichtig, während die Russen ihre Kinder nur selten mitnahmen, als sie zu Gast eingeladen wurden. Die deutschen Feste sind stärker vom Ritus geprägt: Konkrete Speisen, konkrete Menschen und eine strikte Reihenfolge. Bei den Russen gilt das nur für einige wenige Feste. Während ein Gast in Deutschland immer eingeladen werden muss, kann man in Russland auch ohne Einladung kommen. Wenn man pünktlich kommt, gilt das in Russland beinahe als schlechter Ton. Es ist angebracht, sich etwas zu verspäten. Die Deutschen kommen aber pünktlich. Im Großen und Ganzen ist den Russen Spontaneität eigen, während die Deutschen organisiert, präzise und pünktlich sind. In Russland galt immer die Sitte, für den Gastgeber ein kleines Geschenk mitzubringen. Die Deutschen hatten diese Tradition nicht.
Das ist das Ergebnis einer historisch-kulturellen Studie. Was ist aber jetzt? Nadeschda Lebedewa, Doktor rer. psych. habil., und Oksana Markowskaja, Doktor psych., führten eine Untersuchung durch, an der Einwohner von Moskau, Tscheljabinsk, Magnitogorsk und der Station Uslowaja, Gebiet Tula, wie auch von Berlin und Ebersberg teilnahmen. Die Fragen wurden von zwei Positionen aus gestellt - der des Gastgebers und der des Gastes.
Es stellte sich heraus, dass die Russen jetzt seltener Gäste einladen als die Deutschen. Die Russen mögen ein langes und ausgiebiges Essen, während die Deutschen eher eine ungezwungene Atmosphäre bevorzugen. Ein Geschenk spielt für die Russen eine größere Bedeutung als für die Deutschen, dabei eher die Geschenkübergabe als die -übernahme. Die deutsche Gastfreundschaft setzt Gleichberechtigung voraus, während ranghohen Gästen in Russland mehr Aufmerksamkeit zukommt. Dabei zeigen die übrigen Gäste Verständnis dafür.
Wichtig ist aber, dass diese Unterschiede geringfügig sind und keine ernsthaften kulturellen Schranken schaffen.
Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.