RIA Novosti

Sorgenkind Bulawa-Rakete: Teststart erneut gescheitert - Hintergrund

19:04 26/10/2006

MOSKAU, 26. Oktober (RIA Novosti). Bei ihrem Teststart am Mittwochabend wich eine "Bulawa"-Rakete von der vorgegebenen Flugbahn ab, dadurch wurde das Selbstliquidierungssystem ausgelöst.

Nach der Mitteilung des PR- und Informationsdienstes der russischen Seekriegsflotte, die bei RIA Novosti am Mittwoch einging, wurde der Teststart im Weißen Meer vom Atom-U-Kreuzer "Dmitri Donskoi" unter Wasser vorgenommen. Russlands neueste strategische Rakete erreichte dabei jedoch das Ziel im Testgelände Kura auf der Halbinsel Kamtschatka (im Osten Sibiriens) nicht.

Mit diesem Test hofften die Entwickler der Bulawa vom Moskauer Institut für Wärmetechnik und der Betrieb Wotkinsk in Udmurtien, den Ruf ihrer Schöpfung zu retten. Denn auch der vorherige Versuch am 7. September im Weißen Meer mißlang, als die Rakete bereits nach einer Minute Flug ins Meer fiel. Die Untersuchungskommission stellte damals fest, dass die Panne von einer Störung im Lenksystem der Rakete verursacht worden war.

Die gestern vom Bord des Atom-U-Kreuzers "Dmitri Donskoj" um 17.05 gestartete Bulawa hielt sich 200 Sekunden lang in der Luft, danach begann sie von der vorgegebenen Bahn abzuweichen und explodierte auf Notbefehl des Lenksystems - Splitter der Bulawa fielen ins Meer.

Zwei Stunden später meldeten die Nachrichtenagenturen über den Fehlschlag. Doch auch danach wollten weder das russische Verteidigungsministerium noch die Raumfahrtagentur Roskosmos, zu der beide Entwicklungsstätten gehören, den mißlungenen Test kommentieren.

Laut Insider-Information der Tageszeitung "Kommersant" wird dieser Bulawa-Start als erfolgreich bewertet, weil dabei weder die Mannschaft des Atom-U-Kreuzers noch die modernste Submarine selbst, die eben für die Tests ausgerüstet ist, zu Schaden kamen.

Die zwei diesjährigen Pannen sowie der Vorfall mit Bulawa im September vorigen Jahres, als der Kopf der Rakete unterwegs zum Testgelände Kura explodierte, können nach Meinung von Militärexperten zu einer Rücknahme des Versuchsprogramms führen.

Entsprechend diesem Programm sollen alle Versuche 2007 abgeschlossen und die Rakete in die Bewaffnung der Kriegsmarine aufgenommen werden.

Die strategische seegestützte Feststofffrakete "Bulawa" war Ende 2004 während der Starts in Über- und Unterwasserlage erfolgreich erprobt worden. Diese Rakete ist für die Bewaffnung der neuartigen Atom-U-Boote des Projekts 955 (Typ "Borej") bestimmt.

Ein Sprecher im Weißen Haus in Washington äußerte gegenüber "Kommersant", er sehe da nichts Dramatisches. Pannen bei Seestarts von Raketen hätte es auch in den USA gegeben.

Mit einem Unterschied wohl: Bei 23 Teststarts von Trident-I-Raketen mißlangen nur drei. Und bei 49 Teststarts von Trident II, die heute zur Bewaffnung von amerikanischen Atom-U-Boote gehört, ist nur einer fehlgeschlagen.

Nach allem zu urteilen, wird sich jetzt das Verteidigungsministerium gezwungen sehen, die Zahl der Versuche von den geplanten zehn auf 15 zu erhöhen und auch die Testphase zu verlängern.

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