
MOSKAU, 26. November (RIA Novosti). Moskau und die Nato haben die Eiszeit vom vergangenen Jahr endgültig überwunden und sind bereit, im militärischen Bereich eng zusammenzuarbeiten. Darüber berichtet die russische Zeitung "Kommersant" am Donnerstag.
Die Seiten wollen bereits am 4. Dezember in einer Sitzung des Russland-Nato-Rats durch ihre Außenminister bekannt geben, dass die wegen des Kriegs in Südossetien gestoppte militärische Kooperation wieder begonnen wird. Die wichtigste Demonstration der Freundschaft soll dabei ein Abkommen sein, wonach russische Fachleute die Militärtechnik in den Allianz-Staaten und in Afghanistan bedienen werden.
Russlands Nato-Botschafter Dmitri Rogosin sagte, dass Moskau vom Treffen der Außenminister "eine grundlegende Umgestaltung der Beziehungen zur Allianz" erwarte. "Es fragt sich nur", fügte er hinzu, "ob der neue Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zu einer Art Gorbatschow wird."
Rogosin zufolge sind Russland und die Nato bereit, sich an die Unterzeichnung eines Durchbruchsabkommens zu machen. Es betreffe die technische Wartung sowjetischer Militärtechnik, die von früheren Mitgliedern der Organisation des Warschauer Vertrags und heutigen Nato-Staaten immer noch benutzt werde. Im Ergebnis "werden wir bekommen, was wir seit langem anstreben: die Möglichkeit von Kontakten mit der Allianz und ihren Mitgliedern, ohne die Vermittlungsdienste einiger osteuropäischer Staaten in Anspruch nehmen zu müssen", betonte Rogosin.
Ein Gesprächspartner beim russischen Waffenexporteur Rosoboronexport teilte mit, dass die Unterhändler Russlands und der Nato bereits die Rahmenbestimmungen des künftigen Dokuments erörtert hätten. "Wir hoffen, dass im Abkommen alle Muster sowjetischer Technik aufgezählt werden. Es fragt sich nur, ob man auch in der Nato dazu bereit ist", sagte er.
Der Quelle zufolge könnten die russischen Rüstungsunternehmen im Erfolgsfall einen weiten Markt umfassen, weil der Kreis der Staaten, die sowjetische Militärtechnik benutzen, nicht nur aus den ehemaligen Warschauer Vertragsstaaten bestehe. "Dazu gehört auch Afghanistan, wo unsere Hubschrauber genutzt werden", vermerkte er.
"Zur Zeit arbeiten wir mit einigen Nato-Mitgliedern auf bilateraler Grundlage zusammen, und oft bitten diese Staaten, bevor sie die Arbeit mit uns aufnehmen, um die Genehmigung der Nato-Führung. Mit der Unterzeichnung des erwähnten Abkommens wird diese Notwendigkeit entfallen", erläuterte er.
Über die konkrete Zeit der Unterzeichnung des Vertrags über die Wartung von Militärtechnik verraten weder das russische Außenministerium noch Rosoboronexport etwas. Im Übrigen ist man sich bei beiden Behörden sicher, dass dies angesichts des beginnenden Tauwetters zwischen Moskau und Brüssel durchaus schon im kommenden Jahr geschehen könnte.