Sicherheit und Militär
Nato-Chef in Moskau: Eisenbahn-Waffentransport nach Afghanistan auf Tagesordnung
Thema: Nato-Chef Rasmussen in Moskau
MOSKAU, 16. Dezember (RIA Novosti). Die Nato ist ernsthaft an einem Eisenbahntransport von Waffen und Munition - den so genannten "lethalen Gütern" - über das Territorium Russlands nach Afghanistan interessiert. Das berichtet die Tageszeitung "Kommersant" am Mittwoch.
Dies soll eines der Themen der Verhandlungen von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Moskau werden. Der offizielle Teil seines Russland-Besuchs beginnt am heutigen Mittwoch.
"Rasmussen kommt zu uns mit einer Liste von Ideen und Wünschen", teilte ein russischer Diplomat, der anonym bleiben wollte, der Zeitung mit. Besonderes Interesse der Allianz "gilt einer Erweiterung des Gütertransports über Russlands Territorium nach Afghanistan. Der Transport von ‚nicht lethalen' Gütern läuft ja bereits."
Nun will die Nato die russischen Partner um einen ähnlichen vereinfachten Modus für den Transport von "lethalen Gütern", d. h. von Waffen und Munition, ersuchen, die per Eisenbahn nach Afghanistan befördert werden sollen.
Das Abkommen über den Transit der "nicht letalen Güter" war zwischen Moskau und der Allianz beim Nato-Gipfel im April 2008 unterzeichnet worden. "Seit dem Februar dieses Jahres haben die Amerikaner mehr als 4 000 Container per Eisenbahn nach Afghanistan befördert", so der Diplomat. "Die Beförderung eines Containers kostet über 3 000 Euro."
Auch Russlands Nato-Botschafter Dmitri Rogosin ist über den Wunsch der Nato, Waffen und Munition mit der russischen Eisenbahn nach Afghanistan zu befördern, gut informiert. "Diese Frage wurde bei verschiedenen Konsultationen angeschnitten", zitiert das Blatt den Nato-Botschafter. "Ein offizieller Antrag blieb allerdings vorerst aus."
Ein Nato-Sprecher in Brüssel bestätigte gegenüber der Zeitung das Interesse an einem Ausbau des Bodentransports. "Der Generalsekretär ist auf ein ernsthaftes politisches Gespräch in Moskau eingestellt", sagte er. "Er will über die Zukunft unserer Partnerschaft mit Russland sprechen, die den Stand einer strategischen Partnerschaft durchaus erreichen könnte. Das wird er auch in seinem Vortrag in der Moskauer Diplomatenhochschule MGIMO öffentlich verkünden. Jetzt ist die richtige Zeit, um Grundlagen für eine Zusammenarbeit in der Zukunft zu schaffen. Diesbezüglich gibt es verschiedene Ideen, einschließlich einer Erweiterung des Transits. Heute wird der Transit von nicht lethalen Gütern über Russland abgewickelt, es wird nun erwogen, diese Praxis auf die Waffen zu erweitern."
Nach Ansicht des Nato-Diplomaten könnte eine entsprechende Einigung nach dem Muster des Abkommens zwischen Washington und Moskau gestaltet werden, das den Lufttransit von Militärgütern nach Afghanistan gestattet. Die Präsidenten beider Länder haben ein entsprechendes Dokument bei ihrem Moskauer Treffen im Juli signiert. Wie es darin heißt, werden täglich rund 15 amerikanische Transportmaschinen mit Waffen und Militärtechnik, aber auch mit Militärpersonal über das russische Territorium nach Afghanistan fliegen.
"Man kann darüber sprechen, erst wenn die Dokumente vorliegen", äußerte Andrej Klimow, Vizechef des auswärtigen Staatsduma-Ausschusses. "Der Transit von Militärgütern über das Territorium Russlands ist ein Thema, das ernsthaft diskutiert werden muss. Wir sind daran interessiert, dass das Afghanistan-Problem gelöst wird und dass Afghanistan keine Gefahrquelle mehr ist. Wenn die Amerikaner diese Aufgabe meistern können - warum soll ihnen dabei nicht geholfen werden?"

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