RIA Novosti

Sicherheit und Militär

USA schlagen Russland Abbau taktischer Atomwaffen vor – Presse

13:09 05/02/2010

MOSKAU, 05. Februar (RIA Novosti). Der Vertrag über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen ist noch nicht unterzeichnet, aber Washington schlägt Moskau bereits Verhandlungen über die Begrenzung der taktischen Atomwaffen vor. Darüber berichten russische Medien am Donnerstag und Freitag.

Sie betonen, dass die taktischen Atomwaffen (nukleare Gefechtsfeldwaffen) für Russland die einzige Möglichkeit seien, das Kräftegleichgewicht mit den USA aufrechtzuerhalten.

US-Generalstabschef Mike Mullen hat bestätigt, dass Russland dieser Vorschlag bereits bei den Verhandlungen über die strategischen Atomwaffen vorgelegt worden sei.

Die Zukunft der russischen taktischen Atomwaffen beunruhigt den Westen schon seit langem. Russland baute die Vorräte an diesen Waffen nicht bedeutend ab und liegt dadurch im Vorteil gegenüber den Amerikanern. Laut Schätzungen der US-Regierung besitzt Russland derzeit 3800 taktische Gefechtsladungen, Amerika aber nur 500.

2008 widerlegte Russland, das seit langem die taktischen Atomgefechtsladungen auf seinem Territorium konzentriert hat, abermals Polens Verdacht, dass im Gebiet Kaliningrad taktische Atomwaffen stationiert seien, erklärte jedoch, dass es bei einer Aufstellung von Elementen der US-Raketenabwehr (ABM) in Osteuropa seine operativ-taktischen Iskander-Raketensysteme in die Ostsee-Exklave verlegen könnte.

Als Washington sein ABM-Projekt revidierte, nahm Moskau Abstand von der Stationierung der Iskander-Raketen. Dennoch hegen Russlands westliche Nachbarn immer noch Verdacht. Am vergangenen Montag haben der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski und sein schwedischer Amtskollege Carl Bildt Moskau aufgefordert, mit einer Begrenzung der taktischen Atomwaffen zu beginnen.

Wie der Sprecher des russischen Außenministeriums Andrej Nesterenko sagt, setzt sich Russland weiter dafür ein, dass die taktischen Atomwaffen zuerst in die Länder verlegt würden, denen sie gehören, und die Infrastruktur zu deren Lagerung in den Drittländern unwiederbringlich vernichtet werde. Der russische Standpunkt sei logisch und werde sich kaum verändern, so Pavel Podvig, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der University of Stanford.

"Angesichts der kolossalen Überlegenheit der USA bei den konventionellen Waffen und der Unterlegenheit vor allem bei den Trägern für die strategischen Atomwaffen nimmt die Rolle der taktischen Atomwaffen als außenpolitisches Instrument zu", betont Alexej Arbatow, Leiter des Moskauer Zentrums für internationale Sicherheit am Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen.

"Eine sichere Verifizierung der Begrenzung der taktischen Atomwaffen ist praktisch unmöglich", erläutert der Experte. "Während Interkontinentalraketen einfach vernichtet werden können, lässt es sich mit den Trägermitteln doppelter Bestimmung nicht so einfach tun." Mit taktischen Gefechtsladungen können die Frontfliegerkräfte, die Artillerie und die Flotte ausgerüstet werden. "Es geht um die Kontrolle über die Lager, was präzedenzlos wäre", meint Arbatow.

Laut Podvig würden die Verhandlungen über die taktischen Atomwaffen nicht einfach sein, bis jetzt sähen viele westliche Politiker in den amerikanischen Atomwaffen in Europa eine tragende Stütze der Nato.

Quellen: "Gazeta.Ru" vom 04.02.10, "Wedomosti" vom 05.02.10.

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