Sicherheit und Militär
Experte: Nato will europäischen Raketenschild ohne Russland - "Nesawissimaja Gaseta"
MOSKAU, 01. März (RIA Novosti). Die ersten US-Luftabwehrraketen „Patriot" werden im April in Polen etwa 100 Kilometer von der russischen Grenze stationiert, stellt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" in ihrer Montagsausgabe fest.
Experten zufolge wird dieser Schritt Washingtons Russlands nationale Sicherheit jedoch nicht gefährden. Das könnte allerdings das erste Element des europäischen Raketenschildes werden, das man ohne Moskaus Beteiligung errichten will.
In der Umgebung der polnischen Stadt Morag wird demnächst ein provisorischer US-Stützpunkt entstehen, der nach 2012 jedoch dauerhaft existiert. Dort sollen die Luftabwehrraketen „Patriot" und später auch Raketen SM-3 („Standard") aufgestellt werden, die ballistische Raketen abfangen können. Polnischen Medien zufolge ist der Bau der erforderlichen Anlagen in Morag zwischen 10. und 15. April anberaumt.
Die „Patriot"-Komplexe sind ausschließlich Luftabwehranlagen, beruhigte der russische Sicherheitsexperte vom Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen, Alexej Arbatow. Außerdem bauen Russland und Weißrussland derzeit ein gemeinsames Luftabwehrsystem auf, das mit S-300- und S-400-Komplexen ausgerüstet werden soll. „Dabei denken wir doch nicht, dass die Nachbarländer vor diesem Abwehrsystem Angst haben sollten", betonte er.
Der Vizeleiter des USA- und Kanada-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, Pawel Solotarjow, zeigte sich ebenfalls überzeugt, dass sowohl die „Patriots" als auch andere Abfangraketen, die in Osteuropa stationiert werden können, keine Gefahr für Russland darstellen. Aber auch er verwies darauf, dass es sich um den allmählichen Aufbau der europäischen Raketenabwehrsystems innerhalb der Nato-Grenzen handelt, das von den USA entwickelt wird und an dem sich Russland nicht beteiligen kann.
Moskau werde angeboten, sich dem Abwehrsystem anzuschließen, allerdings zu den Bedingungen Washingtons, fuhr der Experte fort. Doch der Nato-Raketenschild könnte im Unterschied zum europäischen Abwehrsystem, an dem Russland teilnehmen würde, die Trennlinien in Europa zusätzlich festigen, warnte er.
Nach Einschätzung Solotarjows haben Russland, die USA und Europa ungefähr zehn Jahre, um die Deklarationen über die Kooperation im Raketenabwehrbereich umzusetzen. Anderenfalls werde Moskau auf viel größere Risiken stoßen als die zehn strategischen Abfangraketen, die der frühere US-Präsident George Bush in Polen aufstellen wollte.
Bis 2020 werden die „Standard"-Raketen möglicherweise ballistische Interkontinentalraketen abfangen können und sich als Bestandteil des vielschichtigen Raketenabwehrsystems der USA etablieren. „Damit wird Russland wohl keine andere Wahl bleiben als strategische Atomwaffen an Iran zu verkaufen, damit die Amerikaner die Entfaltung dieses Systems in Europa rechtfertigen können", scherzte der Experte verbittert.
Generalmajor Solotarjow vermutet, dass bestimmte Kreise (vor allem in den USA) die Errichtung des europäischen Raketenschildes ohne Beteiligung Russlands unumkehrbar machen wollen, solange Moskau und Washington keine konkreten Raketenabwehrverhandlungen begonnen haben.

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