Sicherheit und Militär
Kreml-Planspiele: Nato-Beitritt Russlands nicht ausgeschlossen - "RBC Daily"
MOSKAU, 06. September (RIA Novosti).
Das Institut für moderne Entwicklung (russ. Abk.: INSOR), dessen Schirmherr Präsident Dmitri Medwedew ist, hat dem Kreml einen Bericht über mögliche Wege der Entwicklung der Beziehungen zur Nato vorgelegt, schreibt die Zeitung "RBC Daily" am Montag.
In Frage kämen dabei mehrere Varianten, darunter sogar Russlands Beitritt zur Allianz. In absehbarer Zeit sei das unmöglich, so Experten und schlagen vor, sich auf die Veränderung des Formats der Beziehungen zu dem militärpolitischen Bündnis zu beschränken.
Das Institut ist der Ansicht, dass die Beziehungen zur Nato nach einem der drei folgenden Wege entwickelt werden sollten. Erstens könnte Russland komplett in die Allianz integriert werden, wofür entweder ein bilateraler Sicherheitsvertrag geschlossen oder ein Koordinierungsrat gebildet werden sollte, an dem sich viele internationale Organisationen beteiligen würden. In diesem Fall könnte sich die Nato mit anderen angesehenen Vereinigungen wie die EU, die OVKS, die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und möglicherweise die UNO, zusammenschließen. Ein Zeitplan für solch ein umfassendes Bündnis wurde im Bericht allerdings nicht genannt.
„Der Bericht wurde Dmitri Medwedew vorgelegt, und er wird ihn demnächst kennen lernen“, sagte ein INSOR-Sprecher gegenüber "RBC Daily". Geplant sei, dass Vertreter des Instituts die wichtigsten Thesen des Dokuments auf einer Konferenz am 9. September in Jaroslawl vorstellen.
INSOR-Direktor Igor Jurgens teilte mit, dass sein Institut am Plan zur Nato-Annäherung seit längerer Zeit gearbeitet habe. Im jetzigen Bericht seien mehrere Szenarien vorgesehen, von durchaus friedlichen bis zu Konfrontationen. Welcher Plan am realistischsten wäre, konnte der Experte nicht genau sagen. „Alles hängt davon ab, wie sich die Situation in Russland entwickelt und in welcher Richtung sich die Allianz bei dem Gipfel in Lissabon im Dezember transformiert“, präzisierte er.
Experten glauben allerdings nicht an eine baldige Annäherung an die Nato. „Sie ist zwar möglich, aber erst langfristig“, so der Militärexperte des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen, Wladimir Jewsejew. „Derzeit sind die gegenseitigen Kontakte vor allem von Widersprüchen geprägt: Europa kann Russland immer noch nicht den Krieg in Südossetien verzeihen, Russland hat seinerseits viele Fragen in Bezug auf die europäische Raketenabwehr sowie auf den KSE-Vertrag.“
Andere Experten vermuten jedoch, dass sich Russland allmählich auf den Nato-Beitritt vorbereitet und darunter auch zu diesem Zweck seine Armee reformiert. „In den kommenden Jahren werden die russischen Streitkräfte Waffen haben, die etwa zu 30 Prozent in Israel und den Nato-Ländern hergestellt sein werden“, sagte der Präsident der Akademie für geopolitische Probleme, Leonid Iwaschow. „Der Übergang zum Brigadensystem, der Kauf ausländischer Technik und regelmäßige Manöver – das alles ist für die Anpassung an die Nato-Strukturen nötig.“
Iwaschow zufolge hat der INSOR-Direktor erklärt, dass Präsident Medwedew das erste russische Staatsoberhaupt sei, das den Zerfall der Sowjetunion nicht als eine Katastrophe betrachtet und dessen Ziel in der Integration Russlands in das System der euroatlantischen Sicherheit und der künftige Nato-Beitritt ist.

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