Panorama
Schamil Bassajew. Lebenslauf
Nach seinem Schulabschluss 1982 wurde Bassajew zum Grundwehrdienst in die sowjetischen Luftwaffe einberufen. Vergeblich bemühte er sich dreimal um ein Jurastudium an der Moskauer Lomonossow-Universität. 1987 nahm er ein Agraringenieursstudium auf, das er jedoch 1988 wegen schlechter Noten abbrechen musste.
Bis 1991 arbeitete Bassajew in Moskau. Anfang 1991 schloss er sich den Truppen der so genannten Konföderation der kaukasischen Völker an. Während des Putsches gegen Michail Gorbatschow im August 1991 gehörte er zu den Verteidigern des Weißen Hauses in Moskau. Im Oktober 1991 kandidierte Bassajew für das Amt des tschetschenischen Präsidenten.
Am 9. November 1991 entführten Bassajew und seine Komplizen ein Passagierflugzeug des Typs Tu-154 aus dem russischen Mineralnyje Wody in die Türkei. In der Türkei ergaben sich die Terroristen den Behörden und wurden auf ihr Drängen hin nach Tschetschenien gebracht. 1992 wurde Bassajew Truppenbefehlshaber der Konföderation der kaukasischen Völker. Ab August 1992 nahm er am Krieg in Abchasien teil, das für seine Unabhängigkeit von Georgien kämpfte. Dort befehligte Bassajew eine Gruppe tschetschenischer Freiwilliger, die später als "Abchasisches Bataillon" bezeichnet wurde. In Abchasien stieg er bis zum stellvertretenden Verteidigungsminister auf.
Seit Beginn des Bürgerkrieges in Tschetschenien im Sommer 1994 kämpfte Bassajew auf der Seite des ersten tschetschenischen Präsidenten Dschochar Dudajew. Am 14. Juni 1995 organisierte Bassajew im Krankenhaus der südrussischen Stadt Budjonnowsk eine Geiselnahme, wonach die russische Staatsanwaltschaft gegen ihn eine Ermittlung einleitete. Der damalige russische Inlandsgeheimdienst FSK schrieb Bassajew landesweit zur Fahndung aus, doch dieser konnte der Festnahme entgehen. Im Sommer und im Herbst 1995 drohte Bassajew der russischen Regierung wiederholt mit weiteren Anschlägen, sollte der Krieg nicht beendet bzw. sollten die Verhandlungen abgebrochen werden.
Nach dem Tod von Dschochar Dudajew im April 1996 wählten die tschetschenischen Feldkommandeure Bassajew zum Truppenbefehlshaber der Tschetschenischen Republik Itschkeria.
Im August 1996 griff eine dreitausendköpfige Bande unter Leitung Bassajews die tschetschenische Hauptstadt Grosny an. Schon bis zu jenem Zeitpunkt war Bassajew neun Mal verletzt worden und hatte sieben Quetschungen erlitten.
Bei der Wahl des tschetschenischen Präsidenten am 27. Januar 1997 unterlag Bassajew Aslan Maschadow und landete auf dem zweiten Platz. 1998 trat Bassajew an die Spitze des Tschetschenischen Fußballbundes. Im Juli 1998 wurde er zum stellvertretenden Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Tschetschenischen Republik ernannt.
Im September 1999 ließen Bassajew und ein anderer Terrorist, Hattab, Wohnhäuser in Moskau und Wolgodonsk in die Luft sprengen. Dabei wurden über 240 Menschen getötet.
Im September 1999 fielen Bassajews Kämpfer in die Nachbarrepublik Dagestan ein.
Im Oktober 2000 erklärte sich Bassajew bereit, 150 Kämpfer in den Nahen Osten zu schicken.
Nach Angaben des russischen Militärs residierte Bassajew bis Mai 2001 im Dorf Duissi, Kreis Achmeta, in Georgien.
Am 23. Oktober 2002 organisierte Bassajew eine Geiselnahme im Moskauer Musicaltheater an der Dubrowka. Die von Mowsar Barajew geleitete Terroristengruppe brachte über 800 Zuschauer und Schauspieler in ihre Gewalt. Bei der Befreiungsoperation wurden alle 50 Geiselnehmer vernichtet. 128 Geiseln kamen ums Leben.
Am 27. Dezember 2002 nahm Bassajew an einem Sprengstoffanschlag auf das Gebäude der tschetschenischen Regierung in Grosny teil, bei dem 80 Menschen getötet und mindestens 210 verletzt wurden.
Zusammen mit Aslan Maschadow organisierte Bassajew am 1. September 2004 die blutige Geiselnahme von Beslan. Bei dem Geiseldrama, das vom 1. bis 3. September dauerte, kamen über 330 Menschen ums Leben, darunter 186 Kinder.
Bassajew wurde daraufhin zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. Der Weltsicherheitsrat setzte ihn auf die Terroristenliste.
Laut Geheimdiensten steckte Bassajew hinter den blutigsten Terroranschlägen in Russland, zu denen neben der Geiselnahme von Beslan auch der Mord am tschetschenischen Präsidenten Achmad Kadyrow vom 09. Mai 2004 zählt. Zu diesem Attentat bekannte er sich öffentlich.
Bisher wurde mehrmals berichtet, dass Bassajew getötet wurde. Aber jedes Mal tauchte er dann wieder auf.
Im Sommer 1995 berichteten Medien vom Tod der Eltern und der Familie Bassajews infolge eines Artilleriebeschusses der tschetschenischen Siedlung Wedeno. Wie sich später herausstellte, kam damals nur einer seiner Brüder ums Leben. Im Mai 2000 wurde gemeldet, dass Bassajew tot sei. Kurz danach wurde bekannt, dass Bassajew am Leben war, und dass ihm wegen einer schweren Verletzung ein Bein amputiert werden musste.
Im April 2002 berichtete der damalige russische Generalstabschef Anatoli Kwaschnin wieder von einer "Vernichtung" Bassajews. Doch auch diese Angaben bestätigten sich nicht.
Der FSB setzte 2004 für Angaben über den Verbleib Bassajews und eines anderen Terroristenführers, Maschadow, eine Belohnung in Höhe von 300 Millionen Rubel (ca. zehn Millionen US-Dollar) aus.
Am 08. März 2005 wurde Maschadow bei einem FSB-Einsatz in der tschetschenischen Ortschaft Tolstoj Jurt getötet. Der FSB zahlte den Informanten zehn Millionen Dollar Belohnung aus.

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