Panorama
Beresowskis Aufruf zum Machtsturz wird Trumpf für russische Behörden - „Wremja Nowostej“
Ausgerechnet zum Zeitpunkt, zu dem „Märsche der Nichteinverstandenen“ in Moskau und Sankt Petersburg vorbereitet wurden und Staatsduma-Abgeordneten ihren Zorn über den neuesten Jahresbericht des US-Außenamtes zu den Menschenrechten äußerte, in dem Russland kritisiert wurde, gewährte der leidenschaftlichste russische Politemigrant der britischen Zeitung „The Guardian“ ein aufwieglerisches Interview. Nach eigenen Worten finanziert er „dem Präsidenten nahe stehende Personen, die eine Palastrevolution vorbereiten“.
Die russischen Behörden nahmen dieses großzügige Geschenk mit Bereitschaft entgegen. Außenminister Sergej Lawrow erklärte sofort, mit seinen Aufrufen zum Machtsturz in Russland verstoße Beresowski gegen seinen Status eines politischen Flüchtlings. Generalstaatsanwalt Juri Tschaika versprach gleich ein neues Strafverfahren gegen Beresowski.
Der Ex-Oligarch gießt nicht bloß Öl ins Feuer. Dies ist nicht bloß ein Trumpf, den er den russischen Behörden gibt, um gegen die Andersdenkenden möglichst hart vorzugehen. Er schafft auch eine ideologische Grundlage für die Aufhebung der Präsidentenwahl beziehungsweise für deren Verschiebung. Er spielt auf der Seite jenes Teils der Kreml-Elite, der den jetzigen Präsidenten als den einzigen Garanten seines Machteinflusses und seiner Geschäftsinteressen um jeden Preis für die dritte Amtszeit beibehalten will.
Mit seinem „Guardian“-Interview provozierte Beresowski die russischen Behörden dazu, die Schrauben noch fester zuzudrehen, noch aktiver nach inneren Feinden zu suchen sowie noch beharrlicher die Bürger beziehungsweise Politiker zu diskreditieren, die mit dem, was im Lande geschieht, nicht einverstanden sind.
Im Endeffekt ist das ein Versuch, gerade der Regierung endgültig Tür und Tor zu öffnen, mit der der in London lebende Rebell angeblich so überhaupt nicht einverstanden ist, schreibt die Zeitung.

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