Panorama
Wirbel um Buch: Del Ponte schweigt über Verbrechen im Kosovo
"Jetzt möchte ich nicht über die von mir im Buch beschriebenen Episoden und über meine frühere Arbeit im Tribunal sprechen", sagte del Ponte RIA Novosti. "Gegenwärtig bin ich Botschafterin der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Argentinien, und das ist meine Haupttätigkeit. Außerdem habe ich eine Anweisung meiner Leitung im Außenamt bekommen, sich eben an diese Position festzuhalten."
Anfang April hatte das Schweizer Außenamt Carla del Ponte daran gehindert, eine Präsentation ihres Buches "Die Jagd. Ich und die Kriegsverbrecher" in Italien zu veranstalten. "Dieses Werk enthält Erklärungen, die mit dem Amt einer Vertreterin der Regierung der Schweiz nicht vereinbar sind", erklärte damals der Außenamtssprecher Jean-Philippe Jeannerat. In einem Telegramm erhielt die Botschafterin die Anweisung, dringend nach Buenos Aires zurückzukehren.
Kurz vor der Veröffentlichung des Buchs hatten Journalisten Auszüge bekommen, in denen beschrieben wird, wie Terroristen der "Befreiungsarmee" der Kosovo-Albaner (UCK) über 300 Einwohner aus den serbischen Enklaven entführten. Sie alle, so del Ponte, seien in den Norden Albaniens gebracht worden, wo ihnen in einem Geheimlabor lebenswichtige Organe für den Schwarzmarkthandel entnommen wurden.
Das Buch enthält außerdem Anschuldigungen an den jetzigen Premier des Kosovo, Hashim Thaci, und seinen engsten Mitstreiter und UCK-Kommandeur Ramus Haradinaj.
Die Schweizer Regierung hatte Ende März die Unabhängigkeit der Provinz Kosovo anerkannt.
Bei der Frühjahrstagung der Parlamentarischen Versammlung des Europarates legte Russlands Delegation indes einen Resolutionsentwurf vor, in der Ermittlungen zu den von del Ponte beschriebenen Verbrechen gefordert werden. "Die Personen, die an den dort beschriebenen Verbrechen schuldig sind, müssen vor Gericht kommen", stellte Lluis Maria de Puig, Chef der Parlamentarischen Versammlung, fest.
In einem am Mittwoch in der Schweizer Zeitung "Le Temps" erschienenen Beitrag behauptete Florence Hartmann, Pressesekretärin von Carla del Ponte, die Ex-Chefanklägerin verfüge über keine Beweise für eine Beteiligung der Kosovo-Behörden an der Verschleppung von Einwohnern der serbischen Enklaven 1999. Es sei "unverantwortlich und unwürdig, Fakten als glaubwürdig hinzustellen, die in Wirklichkeit nicht beweisbar sind", so die Pressesekretärin.

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